heute in hamburg

„Es ist ein Massaker unter der Oberfläche“

Lesung mit Diskussion Wolfram Fleischhauer liest aus seinem Thriller „Das Meer“, anschließende Debatte mit Vertreter*innen der deutschen Umwelthilfe, 19 Uhr, Speicherstadtmuseum, Am Sandtorkai 36.

Interview Inga Kemper

taz: Was hat Sie dazu gebracht, über illegale Fischerei zu schreiben?

Wolfram Fleischhauer: Darauf gekommen bin ich aufgrund meinen Erfahrungen als Dolmetscher. Plötzlich musste ich das Wort „Biomasse“ hören. Ich fand das Wort so entsetzlich. Es sind ja schließlich Lebewesen, um die es geht und ich habe mich dann mal intensiver mit Fischerei beschäftigt.

Im welchem Zusammenhang fiel der Begriff „Biomasse“?

Bei den Fischereiverhandlungen in Brüssel. Erst berichten Wissenschaftler über die Meeresbestände, dann werden sie weggeschickt und die Fangquoten verteilt. Es wird immer mehr verteilt als da ist. Schon die legale Fischerei ist hart am Limit und mit der illegalen dazu wird die Überfischung zu einem riesigen Problem. Es ist ein Massaker unter der Meeresoberfläche. Der Begriff war ein Sprachschock für mich.

Essen Sie heute noch Fisch?

Sehr wenig und sehr selektiv. Es ist schwierig, im Falschen richtig leben zu wollen. Ich ziehe nicht durch die Lande und sage: Hört auf Fisch zu essen, sondern ich sage: Leute, reduziert wenigstens mal den Verbrauch. Auf der anderen Seite muss politisch was passieren. Sie kennen das ja, selbst wenn die Fakten auf dem Tisch liegen, zweifeln einige Politiker trotzdem alles an. Wie kriegen wir es schneller und wirkungsvoller hin, die Bremsen zu ziehen? Ich hab da keine Antwort, denn eine Ökodiktatur will ich auch nicht.

Welche Antworten haben denn die Öko-Aktivisten in ihrem Buch darauf?

Foto: xy

Wolfram Fleischhauer, 58, ist Schriftsteller und Dolmetscher. Zuletzt veröffentlichte er den Thriller „Das Meer“.

Die sind an dem Punkt angelangt zu sagen, der Homo Sapiens ist nicht therapierbar und wir müssen biologische Grenzen ziehen. Sie entziehen durch das Gift Toxin den Zugriff auf die menschliche Nahrungskette. Es entsteht eine absolute Unverträglichkeit und die Menschen können keinen Fisch mehr essen und damit ist Schluss. Die Erde wird geimpft. Das ist natürlich Fiktion, aber Toxin gibt es wirklich, so wie es auch Lebensmittelunverträglichkeiten gibt.

An welche wahren Gegebenheiten knüpfen Sie noch an?

Es gibt in der geregelten Fischerei immer Beobachter, die darüber Aufsicht führen sollen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Schon mehrere sind dabei verschwunden. Auf hoher See gab es keine Zeugen. Ich erfinde auf der Grundlage von Fakten und recherchiere aufwendig, bevor ich schreibe.