Das war

Terror-Vorwürfe bestritten

Hat Songül G. nur, getrieben von Islamfeindlichkeit in ihrer Umgebung, nach Syrien ausreisen wollen? Oder hat sie wissentlich die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) unterstützt, indem sie sich anbot, einen potenziellen Attentäter in Deutschland zu heiraten, und für eine IS-Frau Accounts in sozialen Netzwerken eröffnete? Dies muss ein Prozess vor dem Oberlandesgericht in Hamburg klären, der am Montag eröffnet wurde.

Songül G., 41, ist eine ­schmale, mädchenhafte Frau, vor Gericht erscheint sie mit Hidjab und in langem, geblümtem Gewand. Als die Fotografen kommen, verdeckt sie ihr Gesicht mit einem Ordner, auf dem kleine Herzen zu sehen sind. Sie hält ihn noch hoch, als die Fotografen den Saal schon lange verlassen haben. Songül G. wolle vor Gericht zumindest vorerst nicht aussagen, so sagt ihr Anwalt. Aber sie verliest eine Erklärung, ruhig und ohne Stocken, in der sie die von der Bundesanwaltschaft erhobenen Vorwürfe bestreitet.

Es stimme zwar, so sagt G., dass sie Marcia M., die sie in einem Internetforum kennengelernt hatte, Accounts bei Telegram, Whatsapp und Facebook zur Verfügung gestellt habe. Diese hatte sie unter falscher Identität angelegt. Sie habe das aber nur getan, um mit M., die mit ihrem Mann bereits nach Syrien gereist war, auch ihre Ausreise zu organisieren. Die „Islamhetze“ in Deutschland habe sie dazu veranlasst. Dass M. nicht nur Ehefrau eines IS-Kämpfers, sondern aktive Unterstützerin gewesen sei, habe sie nicht gewusst. Das Angebot, einen nach Deutschland einzuschleusenden Attentäter zu heiraten, habe sie nicht gemacht.

Songül G. ist nicht ausgereist. Nach einem Besuch der Polizei bei ihr in Bremen, habe sie ihre Pläne aufgegeben, so sagt sie. „Heute bin ich froh, dass ich mein Leben in Deutschland fortsetzen kann.“ Rückblickend „schäme“ sie sich dafür, der Propaganda des IS aufgesessen zu sein. Dessen Verständnis vom Islam sei nicht ihres.

Die Bundesanwaltschaft nimmt Songül G. nicht ab, sie habe sich in Syrien lediglich ein diskriminierungsfreies Leben aufbauen wollen. „Die Auswertung der Kommunikationsmittel“, so erklärt der Vertreter der Bundesanwaltschaft, ergebe, dass sie sich als Ehefrau angeboten und damit Anschlagspläne des IS unterstützt habe. Marcia M. und ihr Mann hätten einen Anschlag auf eine nicht näher ermittelte Großveranstaltung in Deutschland mitgeplant – das habe G. gewusst. G.s Anwalt sagt hingegen, die ausgewerteten Gespräche verwiesen nicht zwingend auf seine Mandantin.

Friederike Gräff