Das kommt auch

Ein Fest für die Soldaten

Die Deutschen sollen lernen, dassMilitär geil ist

Wie schön! Kommenden Freitag, am 9. August, gibt’sin Flensburg eine Sause für 260 OffiziersanwärterInnen. An der Marineschule Mürwick werden sie nicht, wie sonst alle ehrenwerten DienerInnen des Staates, aufs Grundgesetz vereidigt. Sie schwören bloß, der Bunderepublik „treu zu dienen“ und, so wahr ihnen Gott helfe, „das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“. Ist es übersensibel, sich beim Begriff „treu“ im Wehrzusammenhang zu gruseln?

Keine Ahnung, ob sie sich auch für die „nationale dänische Minderheit, die Minderheit der deutschen Sinti und Roma und die friesische Volksgruppe“ zuständig fühlen, die von Schleswig-Holsteins Landesverfassung geschützt wird. Und bestimmt wird es ohne Grundgesetzbezug schwieriger, sich völkerrechtswidrigen Auslands-Einsätzen zu entziehen. Aber die gibt es ja eh nie. Oder naja, nur ganz, ganz selten. Zweifellos wird der langjährige Präsident des Landesverfassungsgerichts, Bernhard Flor, als Festredner den OffiziersanwärterInnen diese Feinheiten erläutern und nicht nur irgendetwas über wehrhafte Demokratie salbadern.

Schon im vergangenen Jahr war in Flensburg mit großem Tschingderassabumm – dafür reist das Heeresmusikkorps aus Hannover an und eine Kompanie des Wachbataillons schmeißt ihre Stiefel! – und „hochrangigen Gästen“ eine vergleichbare Veranstaltung durchgeführt worden. Jetzt können sich die FlensburgerInnen diesbezüglich als Vorhut und Stoßtrupp fühlen, der die Debatte aufmischt: Denn die neue Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte kurz nach Amtsantritt gesagt, dass es mehr von solchen Top-Events geben solle.

Das wäre „ein starkes Signal an die Soldatinnen und Soldaten“. Und auch, damit die Deutschen wieder lernen, dass Militär geil ist und mehr junge Menschen Lust bekommen, zu marschieren und das Handwerk des Tötens, Bombardierens und Vernichtens zu erlernen. Die SPD ist natürlich auch dafür.

„Soldat sein verroht ungemein“, hat Ulrich Finckh einmal gesagt, „auch in Friedenszeiten.“ Der Bremer Pastor war von 1971 bis 2002 als Vorsitzender der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsverweigerer bundesweit der wichtigste Streiter für deren Belange, und auch danach ein wahrnehmbarer Kritiker des grassierenden Neo-Militarismus. Aber jetzt ist er tot, am 3. August ist die Trauerfeier, und in Flensburg-Mürwick sagt bestimmt niemand, dass es kein Grund zu feiern sei, Menschen diese Verrohung abzuverlangen. Benno Schirrmeister