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Verzweifelter Hilferuf

Bei den deutschen Fechtern beklagt man die fehlende Unterstützung der deutschen Medien, dabei ist das Fehlen der Distanz das Problem

Warum ist dieses Missverständnis nur so schwer aus der Welt zu schaffen? Sportjournalisten taugen gerade im Krisenfall nicht als Freund und Helfer für Sportler. Was ist daran so schwer zu verstehen? Und das ist so ganz unabhängig davon, ob Journalisten sich selbst als Freund und Helfer von Sportlern verstehen oder nicht.

Insbesondere Vertreter kleiner Sportarten neigen in Deutschland zu diesem Irrglauben. Am Samstag konnte Sven Ressel, der Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes, seinen Zorn nicht mehr in Zaum halten. Er klagte über die schlechtgelaunte WM-Berichterstattung in Budapest: „Klar wollen wir auch wieder in die Medaillenränge – aber wenn unsere Athleten regelmäßig negative Schlagzeilen lesen, hilft das auch nicht.“ Es sei „sehr, sehr grenzwertig“, wenn er nach einem Tag schon lesen müsse, dass die deutschen Fechter noch ohne Medaille geblieben sind, und darauf eingeschlagen werde.

Dass sich das nach den Einzelwettbewerben nicht geändert hat und die verbleibenden Hoffnungen allein auf den Teamwettbewerben liegen, ist für Ressel kein Grund für solch massive Kritik. Man müsse sich doch mal vor Augen halten, dass von teilweise 250 Teilnehmern nur drei eine Medaille bekämen. Auch vordere Plätze müssten Wertschätzung erhalten.

In der Sache kann man Ressel nur zustimmen. Sein verzweifelter Hilfsruf an die deutschen Journalisten verkennt aber, dass es gerade die patriotische Nähe der deutschen Medien zu den deutschen Sportlern ist, die zu einer undifferenzierten und wenig wertschätzenden Berichterstattung führt – insbesondere bei kleineren Sportarten. Denn es fehlt auch an Zeit und Platz für Zwischentöne. Es geht um Helden oder Versager. In Budapest schrieb dann eben bei einigen Agenturjournalisten die Enttäuschung mit. Bei einem distanzierteren, weniger auf Nähe und Hilfe bedachten Blick auf das Geschehen würden nicht die Medaillengewinne das Maß aller Dinge sein. Die sportlichen Aspekte, die Feinheiten einer jeden Disziplin, die Stärke der internationalen Konkurrenz würden mehr Aufmerksamkeit erhalten. Wie man beim Fußball jede Menge über die möglichen Strategien der jeweiligen Teams spekuliert wird, würde dann auch beim Fechten mehr von Fechttechniken und -taktiken gesprochen werden.

Dem Deutschen Fechter-Bund wäre gerade in der derzeit eher mauen Lage am meisten geholfen, wenn Journalisten distanzierter berichten würden. Johannes Kopp