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Irritation am Flughafen Kairo: British Airways stoppt Flüge

Völlig überraschend für Passagiere und Behörden stellt die britische Fluggesellschaft den Verkehr mit der ägyptischen Hauptstadt ein – aus Sicherheitsgründen und für eine Woche

Das Neue

Eine im internationalen Luftverkehr sehr ungewöhnliche Entscheidung: Die Fluggesellschaft British Airways hat am Samstagabend alle ihre Flüge in die ägyptische Hauptstadt Kairo eingestellt – für zunächst eine Woche, wie das Unternehmen mitteilte. Die Fluggesellschaft erklärte dies mit nicht näher spezifizierten „Sicherheitsgründen“. Nur wenige Minuten darauf stornierte auch die deutsche Lufthansa an jenem Abend ihre Flüge von Frankfurt und München nach Kairo. Anders als British Airways nahm Lufthansa den Flugverkehr aber am Sonntag wieder auf. Details und Hintergründe der Sicherheitsbedenken wollte zunächst keines der beiden Unternehmen nennen.

Der Kontext

Es ist nicht das erste Mal, dass Ägypten in Sachen Flugsicherheit Schlagzeilen macht. Das britische Außenministerium hatte 2015 eine Reisewarnung für Flüge nach Scharm El-Scheich herausgegeben, nachdem ein dort gestartetes russisches Passagierflugzeug nach der Explosion einer an Bord geschmuggelten Bombe abgestürzt war und alle 224 Passagiere und die Crew umgekommen waren. Damals wurden die laxen Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen von Scharm El-Scheich, vor allem die unzureichenden Sicherheitschecks beim Gepäck, als Ursache genannt. Russische Airlines fliegen deswegen bis heute keine ägyptischen Flughäfen an – auch wenn sich die Sicherheitsmaßnahmen seither spürbar für jeden Reisenden verbessert haben. Eine Reisewarnung für den Kairoer Flughafen existiert weder vom deutschen noch vom britischen Außenministerium.

Jenseits der Flugrouten von Europa über das Mittelmeer nach Ägypten kämpfen Airlines mit militärischen Konflikten in der Region, die zu einer Reihe von No-fly-Zonen geführt haben. Umleitungen können zu mehreren Stunden zusätzlicher Reisedauer führen und den Kerosinverbrauch nach oben treiben. Kriegsregionen wie Syrien und der Jemen müssen schon seit Jahren umflogen werden. Jüngstes Beispiel ist die Eskalation zwischen den USA, Großbritannien und dem Iran am Golf (siehe dazu Seite 10.) So muss nun auch die Meerenge von Hormus umflogen werden.

Die Reaktionen

Die ägyptische Seite gab sich überrascht von der britischen Entscheidung, die Flüge nach Kairo einzustellen. Die dortige Flughafengesellschaft erklärte, nicht über Sicherheitsbedenken von British Airways informiert worden zu sein. Erst in der Vorwoche hatte demnach ein britisches Inspektionsteam die Sicherheitslage am Kairoer Flughafen überprüft und keine Mängel gefunden. Im Gegenteil: Die britischen Experten hätten die Sicherheitsmaßnahmen gelobt, berichtete die Tageszeitung Al-Ahram.

Die Konsequenz

Ungeachtet der kaum koordiniert wirkenden Entscheidung von British Airways (und Lufthansa) setzen andere internationale Fluggesellschaften ihren Luftverkehr nach Kairo störungsfrei wie gewohnt fort. Um die Nachfrage nach dem Ausfall von British Airways zu kompensieren, will die ägyptische Fluggesellschaft Egypt Air in den kommenden Tagen mit größeren Maschinen von Heathrow aus starten.

Unterdessen wächst in Ägypten die Sorge, wie sich derartige Meldungen auf den Tourismus auswirken. Gut 14 Millionen Urlauber waren 2010 ins Land gereist. Nach den Unruhen 2011 und den Terroranschlägen waren die Zahlen eingebrochen. Für 2019 wird mit 10 Millionen Besuchern gerechnet, etwa 1,7 Millionen davon aus Deutschland.

Karim El-Gawhary, Kairo