Esther Slevogt
betrachtet das Treiben
auf Berlins Bühnen

Ferien machen kann auch Folgendes bedeuten: in ein Boot steigen und mit Dichter*innen zu Wasser Facetten von Dichtung zu untersuchen. Angefangen mit Alchemie über anthropozäne Landschaften bis hin zu klassenloser Sprache. Selbiges bietet aktuell das Haus der Kulturen der Welt (HKW) an, eine jener Kultureinrichtungen unserer Stadt, die wunderbar am Wasser gelegen sind, man und frau also gleich einsteigen und lostuckern kann mit dem Boot, um in „Floating Alphabet“ bei einer Schiffsfahrt auf der Spree – am Hansaviertel vorbei, rund um den Westhafen und wieder zurück – an Hand des Buchs „alfabet der Schriftstellerin Inger Christensen (1935–2009) zu versuchen, die Dinge der Welt zu benennen und ihre Zusammenhänge aufzuzeigen. Die Welt entsteht noch einmal neu, allein durch Sprache. Beim Bootfahren. Das versprechen die Veranstalter zumindest (HKW: „Floating Alphabet“, 12. 7., 20.30, alle Infos: www.hkw.de).

Am Wasser befinden sich auch die sogenannten Uferstudios. Allerdings nicht am Ufer der Spree, sondern am Ufer der Panke, einem anderen prägenden Fluss dieser Stadt. Ursprünglich mal von der BVG betrieben, sind die Uferstudios heute ein Zentrum des zeitgenössischen Tanzes. Ab 11. Juli startet hier das Tanz- und Performancefestival „Open Spaces“, das bis 21. Juli Projekte an der Schnittstelle von Tanz und Performance sowie verschiedene künstlerische Interventionen präsentiert.Mit von der Partie u. a. Ixchel Mendoza Hernández, Maik Riebort & Eva Pfitzenmaier, Rilaben, Andrea Rama & Xeni Alexandrou alias Porson’s Khashoggi (Uferstudios: Festival „Open Spaces“ 11.–21. Juli, alle Infos: www.uferstudios.com).

In der Bar jeder Vernunft hat der 5. Frauensommer begonnen, der in diesem Jahr unter dem Motto „Alle Menschen werden Schwestern – 30 Jahre Mauerfall“ sein Programm präsentiert – unter der Schirmherrschaft der Schauspielerin Katrin Sass. Am 16. Juli sind in diesem Kontext die Songs des neuen Albums von SAFI zum ersten Mal live zu hören. (Bar jeder Vernunft: SAFI, 16. + 17. Juli, jeweils 20 Uhr).

Zwei großen Frauen ist auch das Theaterstück mit Musik „Spatz und Engel“ von Daniel Große Boymann und Thomas Kahry im Renaissance Theater gewidmet, das die Geschichte der Freundschaft von Edith Piaf (der Spatz von Paris) und Marlene Dietrich (der blaue Engel) erzählt. Der Abend lebt besonders von den tollen Darstellerinnen der beiden Weltstars, die gleichzeitig überzeugende Interpretinnen ihrer Chansons sind: von Anika Mauer als Dietrich und Vasiliki Roussi als Piaf (Renaissance Theater: „Spatz und Engel“, 11. + 12.7., jeweils 20 Uhr, 13. + 14. 7., jeweils 18 Uhr).