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Frankfurt liegt in Schleswig-Holstein: Der Literatursommer präsentiert Autor*innen aus Norwegen. Und in Niedersachsen würdigt man den Mut

Von Alexander Diehl

Lesen ist eine einsame Angelegenheit; drinnen bleibt, wer es mit Büchern hat; noble Blässe schließlich kommt vom Blättern (oder, immer öfter: Scrollen): Ja und nein. So wie die Anbieter anderer Inhalte ist eine zunehmend des Digitalen sich bedienende Buchbranche ja auch mit denselben Problemen konfrontiert: Wer seine Produkt erst verlustfrei zu vervielfältigen gemacht hat, wird dieses Umstands offensichtlich kaum wieder Herr – Kopierschutz hin, Abmahnindustrie her. So haben sich die Aufgaben von Konzert und Aufnahme beinahe umgekehrt: Wo einst der Auftritt den Album-Absatz anzukurbeln hatte, bewirbt heute die aufgenommene, weiß Gott wie verbreitete Musik das Konzert(-Event).

Und die Literaturzunft? Hinkt da noch ein wenig hinterher. Aber Büchertische, zum Bücher-dran-Verkaufen, wird es auch wieder welche geben ... sagen wir: beim traditionsreichen Literatursommer Schleswig-Holstein. Auch in diesem Jahr kündigt das Literaturhaus im Land eine Reihe von Veranstaltungen an, nicht nur in Kiel oder der Grass-Mann-Stadt Lübeck, sondern auch – und umso verdienstvoller – da, wo manche*r das sprichwörtlich platte Land annimmt: in Eutin oder Heide oder Dersau am Großen Plöner See. Und wie in den Vorjahren geht es auch 2019 um die Literatur eines Landes, diesmal Norwegen. Also ein Abfallprodukt der Frankfurter Buchmesse, die später im Jahr, im Oktober, auch das Gastland Norwegen würdigt?

Ja, vielleicht, ein wenig zynisch betrachtet. Von anderer Warte aus besehen: Ist doch schön, dass nun zwischen dem 22. Juli und dem 16. September Jostein Gaarder, Tomas Espedal, Kjersti A. Skomsvold, Hanne Ørstavik, Nina Lykke und Pål Moddi Knutsen zwischen Ost- und Nordseeküste auftreten; zumeist mit aktuellen Büchern, wie man so sagt: im Gepäck. Dazu gibt es auch noch ein paar Mal eine theatralische Lesung des Kriminalromans „Die Schrift an der Wand“ von Gunnar Staalesen und ein „Literarisches Sommerfest“ am 2. August in Kiel.

Debütant*innen im Garten

Richtet sich der allernördlichste Literatursommer ausdrücklich an Einheimische und Feriengäste, ist der Faktor Ferien ja gerade, was vielerorts die Termine ganz merklich ausdünnen lässt. So dauert es dann auch bis Anfang September, bis der Betrieb richtig an Fahrt aufnimmt. So lotst ab dem 11. September der gut dotierte Gemischtwarenladen namens „Harbour Front“ etliche große (und ein paar richtig große) Namen nach Hamburg. Schon am 5. September beginnt das Literaturfest Niedersachsen. Dem gab man in diesem Jahr das Thema Mut auf, und das führt dann einerseits zur Beschäftigung mit traditionell eher nicht vom Vergessen bedrohten Weltentdeckern wie Magellan, aber auch zu Abenden über „Literaten in der DDR“ oder den Frauen am Bauhaus.

Ein besonderes Fest-Highlight: die Wandellesung auf dem Hermannshof in Springe-Völksen. Zwischen Obstbäumen und Wiesen, Steinbruch und Teepavillon, so dichten die Veranstaltenden, tragen sechs junge Autor*innen aus ihren (Debüt-)Romanen vor – der Vorverkauf läuft.

literaturhaus-sh.de/projekte/literatursommer.html; www.literaturfest-niedersachsen.de/lfn;

harbourfront-hamburg.com