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Grüner Knopf – was nun?

Entwicklungsminister Müller hält am geplanten staatlichen Metasiegel „Grüner Knopf“ für die Textilindustrie fest – trotz Kritik von vielen Seiten

Eigentlich sollte es im Juli losgehen. Nun wurde der Start des Grünen Knopfs auf September verschoben. „Bislang haben mehrere Dutzend Unternehmen eine Prüfung angefragt, deswegen haben wir den Prüfungszeitraum verlängert“, heißt es aus dem Entwicklungsministerium (BMZ).

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) möchte mit der staatlichen Zertifizierung die Nachhaltigkeit in der Textil- und Modeindustrie voranbringen. Der Grüne Knopf verbindet Anforderungen an Produkt und Unternehmen: „Ein Textil muss 26 soziale und ökologische Mindeststandards einhalten – von A wie Abwassergrenzwerte bis Z wie Zwangsarbeitsverbot. Zudem muss das Unternehmen seine Sorgfaltspflicht anhand von 20 Kriterien nachweisen“, so ein BMZ-Sprecher.

Vielfach geäußerte Kritik, dass eine solche Kontrolle schwierig bis unmöglich sei, weist er zurück: „Die Textillieferkette ist weniger komplex als die eines Smartphones, das aus rund 60 verschiedenen Rohstoffen besteht. Es ist durchaus möglich, sie zu überprüfen, Unternehmen in Deutschland haben das bereits gezeigt.“ Prüfer würden in Firmenzentralen und Produktionsstätten kommen, zudem könnten Unternehmen bereits erlangte Siegel vorlegen.

Verbraucherzentralen begrüßen den Grünen Knopf als sinnvolle Orientierungshilfe beim Kauf nachhaltiger Kleidung. Die Wirtschaft hingegen zeigt sich besorgt über den nationalen Alleingang: „Was der Minister plant, gefährdet unsere Existenz“, so die Präsidentin des Verbandes textil+mode, Ingeborg Neumann. „Unsere globalen Konkurrenten werden uns aus dem Markt fegen.“ Deutsche Unternehmen könnten nicht allein die Welt retten.

Umweltorganisationen halten das Metasiegel für nicht ausreichend: „Das Siegel wird nur auf ,freiwilliger Selbstverpflichtung' beruhen“, sagt Viola Wohlgemuth von Greenpeace. „Die Politik ist hier aber verantwortlich und muss strenger durchgreifen und ein Gesetz erlassen. Der Minister hätte die Macht, tatsächlich etwas zu bewegen, doch er nutzt sie leider nicht.“ Katja-Barbara Heine