liebeserklärung

Die Maut

Die CSU hat sich mit dem Scheitern ihrer Maut zu Recht bis auf die Lederhose blamiert. Doch eine intelligente Autofahrgebühr ist möglich – und die Infrastruktur schon vorhanden

Eine geradezu geniale Infrastruktur für mehr Klimaschutz steht in Deutschland in der Landschaft herum: Mautbrücken, um die Lkw-Streckenabgabe zu kontrollieren. Über Autobahnen fährt man unter ihnen durch, auf Bundesstraßen sind es blaue Säulen am Straßenrand. Nein, sie blitzen nicht.

Diese Woche ist die deutsche Pkw-Maut vom Europäischen Gerichtshof kassiert worden: Das Lieblingsprojekt der CSU sei diskriminierend, weil die Maut de facto nur von Ausländern gezahlt worden wäre. Eine wundervolle Nachricht für alle, die Ex-Verkehrsminister Alexander Dobrindt für die größte Gurke ever in diesem Amt hielten. Für die Maut an sich ist es aber Zeit für eine Ehrenrettung.

Träumen wir mal von einer Fahrgebühr für alle. Eine, die sich nach abgespulten Kilometern richtet und danach, wie sehr das Auto Luft und Atmosphäre verpestet. Wer ein sparsames Auto hat und wenig fährt, der zahlt weniger. Erfasst wird das alles von einem kleinen Kasten in jedem Fahrzeug per GPS, die Daten werden über das Mobilfunknetz übertragen. Ausländer könnten an der Grenze Strecken manuell buchen, kontrolliert wird das alles automatisch an den Mautbrücken. Genau so funktioniert bereits die Lkw-Maut.

Das System hätte zwei große Vorteile gegenüber höheren Steuern auf Benzin und Diesel, was ja auch ein Anreiz für sparsameres Fahren wäre (Bild-Schlagzeile dann in etwa: „Steuer-Schock! Werden unsere Autos bald ganz verboten?“).

Erstens, die Maut könnte Elektroautos auf den Markt helfen – wer eins fährt, muss erst mal keine Maut zahlen. Werden die E-Autos massenweise verkauft , könnte man auch sie bemauten – sonst gurken die Leute noch mehr sinnlos durch die Gegend, weil sie denken: alles gut, ich tank ja Ökostrom. Zweitens könnten Kommunen das System nutzen und zu Stoßzeiten die Maut so weit erhöhen, dass ein paar Leuten die Lust darauf vergeht, auf dem Weg zur Arbeit allein in einem 1,2 Tonnen schweren Blechding im Stau zu stehen.

Bliebe ein Problem: der Datenschutz. Alle Pkws hätten ein Gerät an Bord, das ihre Position permanent weitergibt. Falls Sie das beunruhigt: Schon mal überlegt, woher Google Maps immer weiß, wo gerade Stau ist? Weil viele ein Gerät in der Tasche haben, das permanent ihre Position weitergibt. Auch wenn sie nicht im Auto sitzen. Ingo Arzt