Michael Braun
Mitarbeiterin der Woche

Lilli Gruber

Illustration: Inga Israel

Eigentlich hatte Lilli Gruber Italiens Innenminister Matteo Salvini eine recht unverfängliche Frage gestellt, am letzten Mittwoch in ihrem Polit-Talk „Otto e mezzo“ („Halb neun“): Wann er denn nun seinen Koalitionspartner Luigi Di Maio zum klärenden Krisengipfel treffen wolle? Doch statt zu antworten, hob Salvini an, er werde ja jedes Mal, „auch in dieser Sendung“, beschimpft, als „Rassist, Faschist, Nazi, Steinzeitmensch“.

Doch weit kam er nicht, sofort grätschte Gruber ihm rein, und als Salvini einfach weiter schwadronierte, legte sie nach: „Zwingen Sie mich nicht, Ihnen den Ton abzudrehen!“ Stellte dann richtig: „Wir haben hier nie solche Adjektive mit Ihrer Person verknüpft.“

So ist die Südtirolerin: Sie fragt hart nach, ohne sich je im Ton zu vergreifen, aber sie lässt es auch ihren Gesprächspartnern nicht durchgehen, wenn die dumm und faktenfrei rumpolemisieren. Gerne trägt sie hochgeschlossene schwarze Lederjacken, die sie ein wenig wie eine Domina wirken lassen, gerne bietet sie der Kamera ihr Halbprofil, und oft umspielt ein leicht spöttisches Lächeln ihren Mund, während sie ihren Gästen lauscht.

So hat sie in den letzten elf Jahren „Otto e mezzo“ – der halbstündige Talk läuft täglich auf dem Privatsender La7 direkt nach den 20-Uhr-Nachrichten – zum Erfolgsformat gemacht, bei dem gut und gerne zwei Millionen Zuschauer einschalten. Berühmt war Gruber allerdings schon vorher, als Anchorwoman der Nachrichten beim Staatsender RAI. Doch sie moderierte nicht bloß im Studio, sie ging auch immer wieder hinaus als Reporterin. Sie, die aus einer deutschsprachigen Familie stammt und eigentlich Dietlinde heißt, begleitete 1989 den Mauerfall in Berlin, sie berichtete vom Irakkrieg ebenso wie von den Balkankriegen.

2004 allerdings hatte sie, auf dem Höhepunkt der Berlusconi-Jahre, genug von RAI. Bei den Europawahlen trat sie für das Mitte-links-Oppositionsbündnis an. Wie populär sie war, zeigte sich daran, dass sie mit 1,1 Millionen Präferenzstimmen weit vor allen anderen Kandidaten ihrer Liste lag. Doch 2008 zog es sie wieder ins Studio. In letzter Zeit zankt sie dort in schöner Regelmäßigkeit mit Salvini. Bei einer der letzten Konfrontationen versprach ihr der Lega-Chef dann sogar einen Strauß Rosen. Auf den wartet Lilli Gruber allerdings immer noch.