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Nach US-Sanktionen: Huawei-Umsätze brechen massiv ein

Der chinesische Telekom-Riese rechnet mit Schäden in Milliardenhöhe. Umsatz der Smartphones bricht zwischen Mai und Juni 2019 um 40 Prozent ein. Chance für Samsung

Das Neue

Infolge der Handelssanktionen gegen Huawei ist der weltweite Smartphone-Verkauf des chinesischen Telekommunikationsriesen um 40 Prozent eingebrochen. Das bestätigte Konzerngründer Ren Zhengfei am Montag bei einer Konferenz am Firmensitz im südchinesischen Shenzhen. Zugleich kündigte er an, dass Huawei seine Produktion massiv drosselt: „In den nächsten beiden Jahren wird die Produktion um 30 Milliarden Dollar gekürzt“, sagte Ren. Das bedeutet eine Drosselung um etwa ein Drittel.

Der Kontext

Der Fall Huawei ist ein eigenes Kapitel im US-chinesischen Handelsstreit. Der Konzern ist der zweitgrößte Smartphone-Anbieter nach Samsung und spielt als großer Netzwerkausrüster eine wichtige Rolle beim Start des superschnellen 5G-Mobilfunks. Von den USA wird er aber verdächtigt, mit seiner Technik für Peking spionieren oder Sabotageakte ausführen zu können.

Washington hat Huawei deshalb auf eine schwarze Liste gesetzt. Geschäfte mit dem chinesischen Telekommunikationsriesen müssen in den USA seitdem gesondert von den Behörden genehmigt werden. Die US-Regierung macht zudem Druck auf andere westliche Länder, keine Huawei-Technik beim 5G-Ausbau zu verwenden. Huawei weist die Vorwürfe vehement zurück. Da sie bislang nicht konkret belegt wurden, sehen viele Experten die Sanktionen als wirtschaftspolitisches Druckmittel.

Die Reaktionen

Konzernchef Ren Zhengfei sagte, er habe nicht erwartet, dass die US-Regierung solche „extremen Maßnahmen“ und „ein breites Spektrum von Maßnahmen“ gegen Huawei ergreifen werde. Inzwischen haben Chiplieferanten wie Qualcomm oder Intel ihre Zusammenarbeit mit dem chinesischen Konzern praktisch gestoppt. Auch Google kündigte an, Huawei das Betriebssystem Android und andere Google-Angebote bis auf weiteres nicht mehr zur Verfügung zu stellen. Damit sind die Smartphones für Käufer außerhalb Chinas so gut wie wertlos.

Die US-Chipkonzerne drängen die Regierung in Washington Insidern zufolge aber inzwischen zu einer Lockerung des Geschäftsverbots, weil sie Schäden für US-Unternehmen befürchten. Sie argumentieren, dass Huawei für Smartphones oder Computerserver gängige Teile verwendete und deshalb Sicherheitsbedenken, wie es sie bei der Ausrüstung für das neue 5G-Mobilfunknetz gäbe, unbegründet seien.

Die Konsequenz

Am meisten könnte von dem Konflikt Samsung profitieren, Huawei hat das offizielle Ziel, den südkoreanischen Handybauer zu überholen und damit Nummer eins auf dem Smartphone-Markt zu werden, inzwischen begraben. In diesem und im nächsten Jahr werde der Erlös voraussichtlich auf rund 100 Milliarden Dollar fallen, sagte Huawei-Chef Ren. Bislang war der Konzern von 125 bis 130 Milliarden Dollar ausgegangen. Der Huawei-Chef versprach jedoch, das Unternehmen werde 2021 wieder zu seiner „Vitalität“ zurückfinden.

Jörn Kabisch (mit Agenturen)