Ein Angebot, das niemand ablehnen darf

Ex-Aktivisten der „Bremer Commune“ bieten „Fridays For Future“ die Nutzung eines Projekthauses an und kassieren eine Absage. Die wird jedoch partout nicht akzeptiert

Zusammen stark und dennoch nicht zu jeden Sperenzien bereit: „Fridays for Future“-Demo vor einer Woche Foto: Benedict Neugebauer/FFF

Von Lukas Scharfenberger

Sie ist ihnen suspekt, die „Klima-Initiative“ in der Bauernstraße – und deswegen lehnt die Bremer Ortsgruppe von „Fridays for Future“ (FFF) deren Angebot ab, ihr Projekthaus im Viertel mitzunutzen. Ein Angebot, das abgelehnt wurde: kein Problem, sollte man meinen. Wären da nicht die beiden Aktivisten der Initiative, die das nicht akzeptieren wollen. Nun will FFF sich Rechtsberatung suchen.

Die Begründung von FFF für ihre Ablehnung: Die Verantwortlichen Dirk Jenke und Michael Stein sind ehemalige Aktivisten der „Bremer Commune“. Die stand in der Vergangenheit mehrfach im Zentrum anonym veröffentlichter Berichte, die ihr „sektenähnliche Strukturen“ unterstellten. „Uns ist es wichtig, dass Eltern und Lehrer*innen wissen, dass Schüler*innen bei uns sicher sind. Deswegen distanzieren wir uns von der Bremer Commune“, sagt Frederike Oberheim, Mitorganisatorin von FFF.

Die „Commune“ wollte eine Ökonomie ohne Geld entwickeln. Allerdings, sagt Stein, habe sie sich schon vor Jahren aufgelöst. Das Haus im Viertel nutze man aber noch privat. Da ihm die Betroffenheit der bei FFF engagierten Jugendlichen gefalle, wollten er und Jenke dort gern ein „Klima-Haus for Future“ aufbauen, wo sich die jungen Aktivist*innen konkret den Problemen des Klimawandels widmen könnten.

Doch FFF lehnt das ab, weil sie auf kritische Berichte über die „Commune“ gestoßen sind, die es in sich haben: Die Gruppe sei unter einer basisdemokratischen Oberfläche streng hierarchisch und zentralistisch organisiert. Auch von Manipulation und sozialem Druck durch einen geheimen Inner Circle ist da die Rede und davon, dass die Commune in der Vergangenheit Vereine unterwandert habe, um junge Menschen oder Kapital für sich zu gewinnen. Die Namen Dirk und Micha, also Jenke und Stein, tauchen in diesem Zusammenhang immer wieder auf. Zur Commune gehören laut den Berichten das Projekthaus, das Café Sunshine, die Arbeitsgruppe solidarische Ökonomie und das Projekt „Bremer Solidarstrom“.

Auch die Art der Kontaktaufnahme beunruhigte Oberheim: Anfang April habe ein Treffen zwischen den Aktivst*innen von FFF und MitarbeiterInnen vom Bremer Solidarstrom im Café Sunshine stattgefunden – und nur einen Tag später seien Jenke und Stein bei einem Plenum von FFF erschienen und hätten das Projekthaus angeboten. Die Verbindungen zwischen Café Sunshine und dem Projekthaus seien nicht transparent gemacht worden, sagt Oberheim. Stein streitet indes ab, dass es zwischen ihm und dem Café Sunshine eine Zusammenarbeit gebe – die zeitliche Abfolge sei Zufall gewesen.

Die FFF-Ortsgruppe möchte dennoch keine Zusammenarbeit. Das ist ihr gutes Recht – aber Jenke und Stein scheinen das anders zu sehen: Sie verschickten an einen FFF-Aktivisten eine Stellungsnahme, in der sie erklärten, sie seien Opfer einer Verleumdungskampagne: In den 90er-Jahren habe eine Gruppe im Asta der Uni Bremen aus machtpolitischen Gründen versucht, die Commune zu verleumden. Diese Vorwürfe seien vor wenigen Jahren von Menschen wieder aufgenommen worden, die der Commune schaden wollten. Man wolle weiterhin mit FFF zusammenarbeiten.

Bloß: FFF möchte das gar nicht und distanzierte sich erneut, dieses Mal schriftlich: „Wir verlangen, dass ihr diese finale Entscheidung akzeptiert und keine weiteren Kontakte mehr zu unserer Gruppe oder den Einzelpersonen dieser sucht. Solltet ihr dieser Aufforderung nicht folgen, halten wir es uns offen, rechtliche Schritte einzuleiten“, heißt es in der entprechenden Mail von FFF.

„Uns ist es wichtig, dass Eltern und Lehrer*innen wissen, dass Schüler*innen bei uns sicher sind“

Frederike Oberheim, FFF Bremen

Stein äußerte der taz gegenüber Unverständnis: „Ich kann das Vorgehen von FFF nicht verstehen. Wir finden das ein bisschen traurig, dass die junge Generation, die mit einem Smartphone groß geworden ist, nicht mehr auf ihr Gefühl im sozialen Umgang achtet, sondern alles glaubt, was es im Internet als Meinungsmache gibt. Wir wollen weiterhin mit FFF zusammenarbeiten und diese unsägliche Spaltung überwinden.“

Sie lassen einfach nicht locker: Stein und Jenke schickten eine Einladung zu einem Klärungsgespräch, erneut an einzelne FFF-Aktivst*innen: „Wir leiten nun als nächsten Klärungsschritt des Sachverhalts das Einsetzen einer Schlichtungsstelle ein. […] Wir hoffen, dass ihr diesmal unser zivilgesellschaftliches Angebot annehmt, aber klären müssen wir die Angelegenheit auf jeden Fall.“

Sie suche sich nun Rechtsberatung, sagt Oberheim, da sie wissen wolle, wie sie sich als Einzelpersonen und als Organisation vor weiteren Kontaktversuchen durch Stein und Jenke schützen könnten.

Michael Stein hingegen glaubt noch immer an eine „Klärung“ des Konflikts. Dafür suchte er trotz vorherigen Telefonkontakts sogar noch einmal höchstpersönlich die taz-Redaktion auf. Er befürchte, begründete er seinen Besuch, dass eine Berichterstattung über den Konflikt zu einer Eskalation beitrage. Und es sei doch schade, wenn eine Zusammenarbeit mit FFF nicht möglich sei: „Schließlich kämpfen wir doch für die gleiche Sache.“

FFF-Streik: 10 Uhr, Marktplatz