das wird der monat, der wird (6)

Am FC Bayern gescheitert

VORSCHAU: Heute mit Klopps großem Triumph, viel Rhythm & Swing und einem traurigen Ende

Was bleibt? Die faktenfeste taz-Jahresvorschau

Madrid, 1. Juni. Champions-League-Sieger Tottenham freut sich auf das Londoner City­duell mit Europa League Sieger Chelsea/Arsenal, um den Supercup. Jürgen Klopp, derzeit FC Liverpool, erhält den Ehrentitel Finalweltrekordverliererchampion. „World’s Top-Loser Kloppo I.“ (The Times) ist gerührt: „Den Titel widme ich allein meinem fantastischen Team.“

Lausanne, 10. Juni. Verzweiflung beim IOC: Der Weltkorruptionsbund findet keinen Olympiaort mehr. Schon Paris 2024 und Los Angeles 2028 waren Exklusivkandidaten. Unter Vertrauten erklärt Oberring Thomas Bach: „Wir haben alle Oligarchen abgeklappert, nichts. Die Scheichs haben auch keine Lust, selbst Erdoğan hat abgewunken. In der Zivilisation brauche ich erst gar nicht mehr nachzufragen.“

Marburg, 22. Juni. Hohe Sicher­heitsbestimmungen, streng getrennte Fanlager. Am 2. Spieltag in der Bundesliga der Blindenfußballer kommt es zum großen Duell BVB – Schalke 04. Dichte Pyrowolken hüllen den Kunstrasenplatz komplett ein. Gespielt wird trotzdem. „Das Match nur zu hören ist für die Zuschauer ein authentisches Erlebnis“, sagt der Stadionsprecher.

Aachen, 25. Juni. Endlich spielt die Alemannia wieder eine wichtige Rolle, wenn auch nicht im Fußball sondern verkehrspolitisch. Klub-Legenden wie Günter Delzepich (der laut taz „Zweimeter-Zweizentner-Zweitligabriegel“ der 80er), Thomas („die Axt“) Stehle und Managementmelancholiker Jörg Schmadtke befeuern die „Initiative Radentscheid“ mit flammenden Unterstützer-Statements. „Tausende Fans belagern seitdem auch nachts unsere Privatwohnungen und betteln darum, unterschreiben zu dürfen“, sagt Radentscheid-Sprecher Jan van den Hurk völlig übermüdet. „Aachen – wir wollen Platz für, um zu rollen“, skandiert der Tivoli reimsicher.

Berlin, 28. Juni. RIP: Seit Herbst 2013 gibt es diese Kolumne. Verfassungsziel war es, neben hoher sportjournalistischer Spekulationskraft ein Leben ohne den FC Bayern München als Meister herbeizuschreiben. Dieses Vorhaben ist auch in dieser Saison erneut gescheitert. Deprimiert ob fehlender orakulöser Energie wird die Monatsvorschau deshalb schließen. Letzten Anstoß gab eine Meldung am Tag des Serientitels 7, dass eine junge Kollegin in diesem Blatt als Agentin der Unersättlichen enttarnt wurde. Da stand geschrieben: „Alina S., 28, taz-Autorin, stammt aus Köln und ist in Wahrheit Bayern-Fan.“ Uli Hoeneß freut sich: „IM Bazitaz hat große Arbeit geleistet.“

Berlin, 29. Juni. Durch das Ende der Monatskolumne entfallen sezierende Vorausblicke – so der Triumph von Lionel Messi bei der Copa América im Juli, die fatale Massendehydrierung beim Wüsten-Marathon der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Katar und Uli Hoeneß’frohe Botschaft zu Weihnachten, der FC Bayern werde ab 2020 an der Copa Libertadores in Südamerika teilnehmen: „Einen Kontinentalsprung wie Australien beim ESC können wir im Fußball erst recht.“ Was bleibt? Die faktenfeste taz-Jahresvorschau immer Ende Dezember.

Wiesbaden, 30. Juni. Eine neue Kolumne wird ab Sommer Golf in all seiner Vielfältigkeit ausleuchten (Rhythm & Swing, die schönsten Vorurteile, Profileben, Trump). Der Deutsche Golfverband ist begeistert: „Ein Meilenstein zur Massenvergolfung der Bevölkerung. Unser gesellschaftlich erschlafftes Land wird endlich neuen Schwung finden.“

Bernd Müllender