Kommentar von Sven Hansen über das Bekenntnis des IS zu den Terroranschlägen

Sri Lankas eigentliche Herausforderung

Die schrecklichen Terroranschläge in Sri Lanka reklamiert jetzt der sogenannte Islamische Staat (IS) für sich. Beweise dafür nennt die Terrorgruppe nicht. Einfach überprüfen lassen sich solche Behauptungen auch nicht. Es spricht allerdings einiges dafür. Ebenso ist die Sorge nicht unberechtigt, dass der IS und seine lokalen Helfer, oder wer letztlich auch immer für die Ermordung der mehr als 320 mehrheitlich christlichen Menschen verantwortlich war, weitere Anschläge folgen lassen könnte.

Bisher war dem IS der multireligiöse und multiethnische Inselstaat im Indischen Ozean allerdings ziemlich egal gewesen. Und wenn denn die Anschläge als Vergeltung für die Moscheemassaker in Christchurch, wie von einem Minister behauptet, dienen sollten, wäre dies sicher eine für die Attentäter willkommene Begründung. Doch was den zeitlichen Aufwand für solche Anschläge betrifft, ist der Verweis auf Christchurch einfach unglaubwürdig.

Vielmehr dürfte es den Attentätern vor allem darum gegangen sein, Sri Lankas gesellschaftliches Gefüge ins Wanken zu bringen und die unterschiedlichen religiösen Gruppen des Landes gegeneinander aufzuhetzen. Und genau dies zu verhindern ist, ohne die Anschläge zu bagatellisieren, letztlich die viel größere Herausforderung. Dass es vor den Anschlägen entsprechende Warnungen gegeben hatte, zeigt, dass die Sicherheitsbehörden mithilfe ausländischer Geheimdienste den Tätern schon auf der Spur waren. Mutmaßlich haben politische Machtkämpfe zwischen Präsident und Premierminister verhindert, dass angemessen reagiert wurde.

Natürlich hilft es der sozialen Harmonie, wenn es keine weiteren Anschläge gibt. Aber es bedarf eben nicht nur entsprechender Maßnahmen der Sicherheitsorgane, sondern auch gesellschaftlicher Anstrengungen, das Zusammenleben der Volksgruppen zu verbessern. Und hier hat Sri Lanka bisher offensichtliche Defizite. Vor allem buddhistisch-nationalistische Hardliner trumpften nach der militärischen Niederlage der separatistischen Tamilenbewegung auf und drangsalierten Hindus, Muslime und Christen in wachsendem Maße.

Diese Kräfte, auf die sich wichtige Politiker der Singhalesen stützen, in die Schranken zu weisen und zugleich den religiösen Minderheiten Schutz und Anerkennung zu geben, ist die große Aufgabe. Sie beinhaltet mehr als eine Versöhnung mit den Tamilen, die bisher noch kaum stattgefunden hat. Doch die Terroranschläge, die aus lokaler Sicht völlig absurd sind, können auch als Weckruf dienen und den benötigten Ruck auslösen. Es ist Sri Lanka zu wünschen.