5 dinge, die wir diese woche gelernt haben

1 RTL rettet die Freiheit

In Ungarn feierte kaum jemand den Tag der Pressefreiheit: Fast alle Medien sind staatsnah und berichten unkritisch über die Orbán-Regierung. „Es mag kurios klingen, aber in Ungarn ist die letzte Bastion großer, unabhängiger Medien der Privatsender RTL“, sagte Agnes Urban vom Medienmonitor Mertek. Ein bisschen mehr Respekt bitte, wenn Sie das nächste Mal „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ sehen.

2 Jaja, er lebt noch

Das Kalifat, das er ausgerufen hatte, gibt es nicht mehr. Aber Abu Bakr Al-Baghdadi, der Anführer des IS, lebt noch. In einem neuen Video sprach er über die Anschläge am Ostersonntag in Sri Lanka. Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt 2014 hatte Al-Baghdadi in Mossul gepredigt. Das neue Video zeigt ihn im Schneidersitz und dekoriert mit einer Kalaschnikow. Eine Ästhetik, die man aus Videos von Osama bin Laden kennt. Das Ende ist bekannt.

3 Der Mai ist Rosa

„Die Maifeier hätte durch die Wiederholung ihre Bedeutung verloren, sie wäre beinahe „eine leere Demonstration“ geworden. […] sie […] gibt in dem eigenen Ideengehalt, in der eigenen Stimmung, in der eigenen Spannung die wechselnde Situation des Klassenkampfes wieder.“ Das ist leider nicht von mir, sondern von Rosa Luxemburg aus dem Jahr 1907 und beschreibt sowohl die Caipirinha-Orgie in Kreuzberg, das abendliche Ritual der vermeintlichen Revolutionäre, als auch die neue Demonstration der Hedonist*innen, die durch das Villenviertel im Grunewald spazierten. Mit Luxemburg gesprochen: Jede Gesellschaft kriegt den Ersten Mai, den sie verdient.

4 Nazis sind friedlich

Zu den Mai-Kundgebungen der AfD kamen beinahe so wenige Menschen, wie die Partei anonyme Spender hat. Dafür durften 500 Neonazis mit Fackeln durchs sächsische Plauen ziehen. „Jeder zweite Neonazi ist gewaltbereit“, schrieb bild.de mit Verweis auf Erkenntnisse des Verfassungsschutzes. Da kann man nur hoffen, an die andere Hälfte zu geraten, die ganz friedlich den Faschismus erreichen will.

5 Facebook hat Standards

Wer ist ähnlich hilfreich im Kampf für die Demokratie wie der Verfassungsschutz und die Bild-Zeitung? Genau, Facebook. Das hat nach jahrelangem Zögern ein paar Rassisten und Verschwörungstheoretiker gesperrt. Too little, too late. Die „Hipster Antifa Stuttgart Mitte“ darf seit fünf Jahren „Todesstrafe für Kersten Augustin“ fordern, weil ihr ein Artikel nicht gefallen hat. Facebook sagt, das verstoße nicht gegen die Community-Standards. Schönes Wochenende!

Kersten Augustin