das portrait

Die liberale Aktivistin Zuzana Čaputová könnte schon bald die Slowakei regieren

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Sie ging als Favoritin ins Rennen – und hat die erste Etappe nun auch mit großem Abstand gewonnen: Mit 40,6 Prozent der Stimmen entschied die liberale Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Zuzana Čaputová den ersten Durchgang der Präsidentschaftswahl in der Slowakei klar für sich. Sie ließ nicht nur den von den regierenden Sozialdemokraten nominierten EU-Kommissar Maroš Šefčovič (18,7 Prozent) weit hinter sich, sondern auch den Rechtspopulisten Stefan Harabin (14,3 Prozent), wie die Wahlkommission am Sonntag mitteilte. Die Stichwahl Čaputová – Šefčovič ist für den 30. März angesetzt.

Čaputová ist die fünfte Frau, die seit Einführung der Direktwahl in der Slowakei 1999 in das Palais Grassalkovich, den präsidentiellen Sitz in der Hauptstadt Bratislava, einziehen möchte. Mit ihren 45 Jahren ist sie nicht nur vergleichsweise jung, sie ist auch unbelastet von den Skandalen und Verflechtungen, die die politische Landschaft der Slowakei zuletzt geprägt haben. Insbesondere die Ex-Regierungschefs Róbert Fico oder Vladimír Mečiar symbolisieren für viele Slowaken eine mafiöse Verknüpfung zwischen Politik, Justiz und Wirtschaft. Seit dem Mord an dem Journalisten Ján Kuciak und seiner Verlobten Martina Kušnírová vor einem Jahr rumort es in dem 5-Millionen-Einwohner-Land. Der brutale Tod des Paares hat die oligarchischen Strukturen der Slowakei offen gelegt. Da erscheint Zuzana Čaputová vielen als eine Lichtgestalt.

Was ihr an politischer Erfahrung fehlen mag, macht sie an Glaubwürdigkeit wieder wett. Die geschiedene Mutter von zwei Kindern trat Ende 2017 in die außerparlamentarische Partei Progresivní Slovensko (Fortschrittliche Slowakei) ein, deren Vizevorsitzende sie seit Anfang 2018 ist. Auch vorher hatte sie sich schon gegen das eingesetzt, was sie „Arroganz der Macht“ nennt. 14 Jahre lang stand sie als Anwältin an der Spitze einer Bürgerinitiative, die gegen eine Mülldeponie in ihrem Heimatort Pezínok nahe Bratislava kämpfte. „Es ging nicht nur um den Gestank. Wir hatten eine überdurchschnittlich hohe Krebsrate. Allein die Leukämiefälle waren achtmal so hoch wie der Landesdurchschnitt“, sagt Čaputová. Die Kampagne hatte Erfolg, 2013 entschied das höchste Gericht der Slowakei gegen die Gifthalde, 2016 wurde Čaputováfür ihr Engagement gegen die Deponie mit dem Goldman-Preis ausgezeichnet, der als eine Art Nobelpreis für Umweltschutz gilt.

Jetzt ist sie selbst diejenige, über die giftiger Dreck ausgeschüttet wird. Sie solle beweisen, dass sie keine Jüdin sei, heißt es in den sozialen Netzwerken, auch der Vorwurf, sie sei „eine Marionette“ des US-Milliardärs George Soros und der USA, macht die Runde. Solchen eklatant antisemitischen Verschwörungstheorien setzt Čaputová in ihrem Wahlkampf den Kampf nach einem „anständigen Staat“ entgegen. Zu ihren Zielen zählt ein stärkerer Rechtsstaat, mehr Umweltschutz, ein klares Ja zu registrierten Partnerschaften und Adoptionen bei homosexuellen Paare sowie das Recht der Frauen, selbst über eine Abtreibung zu entscheiden. Alexandra Mostyn, Prag (mit dpa)