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Der Maskierte

Jonas Dassler Foto: Christoph Soeder/dpa

Als der Abspann von Fatih Akıns Wettbewerbsbeitrag läuft, macht sich Erleichterung breit. Zwei Stunden lang wurde auf der Leinwand eine Frau nach der anderen vergewaltigt, ermordet und zerstückelt, einige Zuschauer*innen verließen den Saal vorzeitig. Im Zentrum von Akıns Splatterfilm „Der goldene Handschuh“ steht Fritz Honka: Der Serienmörder trieb in den 70ern tatsächlich sein Unwesen in Hamburg. Im Film ist er eine monströse Erscheinung auch aufgrund seines Aussehens: verbeulte Nase, schielende Augen und halbverweste Haut.

Erleichterung auch insofern, als Jonas Dassler, der Honka im Film verkörpert, makellos zur Pressekonferenz erscheint: Alles an ihm strahlt, sein weißes Hemd, sein Lächeln und die Freude über seine glänzende Darbietung in dem bislang düstersten Beitrag der Berlinale. „Ich hatte viel Lesestoff zur Vorbereitung auf die Rolle: Die Romanvorlage, Fatihs Skript und Texte über den realen Honka. Mir war wichtig, das Monster in ihm zu zeigen, aber auch den gebrochenen Menschen, der sich nach kleinbürgerlicher Normalität sehnt,“ erzählt Dassler.

Der 1996 in Remscheid Geborene hat zuletzt Rollen in Lars Kraumes „Das schweigende Klassenzimmer“ und in von Donnersmarcks Gerhard-Richter-Biopic „Werk ohne Autor“ übernommen. Außerdem ist Dassler Ensemblemitglied am Berliner Gorki-Theater. Am selben Abend hat er dort eine Vorstellung und muss die Pressekonferenz vorzeitig verlassen.

Regisseur Akın nennt für die Transformation des jungen Mannes in den schrecklichen Killer weitere Beispiele, die ihn beschäftigt hätten: Gary Oldman in „The Darkest Hour“, Anthony Quinn in „Der Glöckner von Notre Dame“. Dassler selbst sagt über seine Beziehung zu Honka: „Ich kam ans Set und habe jeweils drei Stunden in der Maske verbracht. Abends, wenn mir die Maske abgenommen wurde, konnte ich Honka auch ablegen. Das war ganz einfach.“ Dann zieht er seine schwarze Mütze auf, küsst seine Kolleg*innen zum Abschied und düst zum nächsten Auftritt. Fatma Aydemir