Bar Babette und der Namensstreit

Nun geht es noch um den Namen

Die alte wie vielgeliebte Bar Babette in der Karl-Marx-Allee ist zu. Doch nun reklamieren die neuen Besitzer den Namen für sich.

Nicolas Berggruen steht vor einem Karstadt-Geschäft

Hat dem Kosmetiksalon Babette, eine der letzten Bars auf der Karl-Marx-Allee, den Mietvertrag nicht verlängert: Nicolas Berggruen Foto: dpa

Eigentlich hat die Bar und Galerie Kosmetiksalon Babette neben dem Café Moskau in der Karl-Marx-Allee wegen nicht verlängertem Mietvertrag schon seit Ende September zu. Und eigentlich schaukelt Maik Schierloh, der den Salon im wunderschönen Glaspavillon 15 Jahre lang mit viel Enthusiasmus betrieben hat, schon seit Anfang September ein neues Baby im Zentrum für zeitgenössische Kunst Kindl in Neukölln: Das Café Babette. Eigentlich hätte er also seinen Frieden machen können mit der Berggruen Holdings GmbH, dem das Café wie der Pavillon gehört.

Als Maik Schierloh aber erfuhr, dass die Café Moskau GmbH, hinter der sich laut Schierloh die Berggruen GmbH und die Agentur Wahre Werte verbirgt, seinen alten Pavillon nicht nur für 5.500 Euro Tagesmiete als Event-Location vermietet, sondern das auch noch unter dem alten Namen Salon Babette, da platzte Maik Schierloh doch noch einmal der Kragen. „Ich habe erschaffen, was man heute unter dem Namen Babette versteht. Für mich ist ganz klar, dass hier ein eingeführter Ausstellungs- und Veranstaltungsort für eigene Zwecke genutzt wird.“

Dann räumt er aber auch ein: „Ich habe zwar den Namen im März 2017 beim Patent- und Markenamt eintragen lassen, trotzdem ist der Pavillon schon lang unter dem Namen Kosmetiksalon Babette als Denkmal eingetragen. Es kann also durchaus sein, dass wir juristisch unterliegen werden.“

Auch wenn Maik Schierloh also den Kürzeren ziehen könnte, hat er sich jetzt eine originelle Aktion ausgedacht, um den Rechtsstreit mit der Firma des Milliardärs und angeblichen Kunstmäzens Nicolas Berggruen ökonomisch durchzustehen – eine Art nostalgisches Crowdfunding, wie er meint. An der Rückseite der Bar gab es eine Rigipswand, die von den ausstellenden Künstlern immer wieder neu bemalt wurde. Die hat Schierloh in 540 Din-A6-große Stücke zersägt. Er wird sie am kommenden Samstag, dem 22. Dezember, von 12 bis 17 Uhr für 50 Euro das Stück im Café Babette im Kindl am Sudhaus 3 verkaufen. „Sie sehen toll aus, die Farbschicht ist zwei Zentimeter dick, man fühlt sich an Jahresringe bei Baumscheiben erinnert“, sagt Schierloh.

Früher mal Mokka-Milch-Eisbar

Schierloh, der neben seiner Tätigkeit als Gastronom und Veranstalter auch als bildender Künstler arbeitet, geht es darum, noch einmal Aufmerksamkeit für ein Stück Karl-Marx-Allee zu erregen, das immer entseelter daher kommt, auch wenn Bezirk und Senat versuchen, sich durch den geplanten Bau neuer Glaspavillions dagegen zu stemmen. An die zu DDR-Zeiten hochfrequentierte Mokka-Milch-Eisbar neben dem Kino International erinnert heute gar nichts mehr. Das Café Moskau ist schon seit Jahren durch nur gelegentliche Vermietungen an geschlossene Veranstaltungen der Öffentlichkeit entzogen. Nun gibt es auch die Bar Babette nicht mehr.

Ein Beispiel für Neues Bauen in der DDR: Heiter, gelöst und vor allem weltoffen

Das ist nicht gut für diesen einst so lebendigen Abschnitt der Karl-Marx-Allee, der anders als der andere Teil der Straße nicht nach dem Vorbild des „sozialistischen Klassizismus“ der Sowjetunion gebaut wurde, sondern für Neues Bauen in der DDR stand: Heiter, gelöst und vor allem weltoffen.

Der Pressesprecher der Café Moskau GmbH wollte gegenüber der taz zu den Vorwürfen Maik Schierlohs keine Stellung nehmen. Das wiederum erscheint eher nicht so weltoffen.

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