wie machen sie das?

Die Motivatorin

Jalda Reißig, 31, ist Personal Trainerin und Coach für bewusste Lebensführung.

taz am wochenende: Frau Reißig, in Ihrem Job müssen Sie Menschen immer wieder aufs Neue motivieren. Wie machen Sie das?

Jalda Reißig: Die Menschen kommen zu mir, weil sie etwas tun oder verändern wollen, dann vereinbaren wir Ziele, darauf aufbauend feiern wir Erfolge. Wenn man etwa den Unterarmstütz länger hält – das ist eine tolle Motivation. Das Körpergefühl nach dem Sport ist auch motivierend. Du fühlst dich freier, energischer. Und das Lebensgefühl verändert sich. Ich bin kraftvoller, kon­zen­trier­ter, hab mehr Freude an Freizeitaktivitäten – dieser Alltagsaspekt ist ganz wichtig.

Ist der Mensch von Grund auf faul?

Nein. Unsere Natur ist es, uns zu bewegen, an der frischen Luft zu sein. Der Mensch ist dafür gemacht, mehrere Kilometer am Tag zu Fuß zurückzulegen. Aber der moderne Lebensstil macht etwas mit uns. Die Ernährung, das viele Arbeiten, den ganzen Tag vor dem Computer zu sitzen und am Handy zu sein. Dazu der Stress in der Großstadt. Wir entfernen uns immer mehr von unserer Natur und werden scheinbar faul und träge.

Im Herbst und Winter ist es dunkel, kalt und manchmal nass. Das macht die Sache nicht leichter.

Ja, aber wir können uns warm anziehen, und das Gefühl, sich an der frischen Luft zu bewegen, ist genial. Besonders danach. Man muss sich einmal überwinden, tief Luft holen und sich bewegen, sonst wird es kalt. Dann wird einem warm, und der freie Kopf danach ist super.

Und wenn der Geist motiviert ist, aber der Körper schwach?

Ich komme vom Leistungssport. Früher hätte ich gesagt: Trotzdem bewegen, einfach machen. Mittlerweile bin ich anderer Meinung. Der Körper gibt Signale, und wenn der mal schwach ist, dann kann es besser sein, sich mal auszuruhen. Zum Beispiel ein warmes Bad zu nehmen und früh ins Bett zu gehen. Wir sind eben keine Maschinen.

Gibt es ein allgemein­gültiges Rezept für Motivation?

Wir sind sehr unterschiedlich, und jeder Tag ist anders. Es gibt so vieles, was unser Leben beeinflusst. Was mich heute motiviert, motiviert mich vielleicht morgen nicht mehr. Deswegen sollte man sich seine eigenen Ziele regelmäßig anschauen und sich fragen: Ist das noch aktuell, oder haben sich meine Ziele verändert? Und was brauche ich, um diese Ziele zu erreichen?

Sind Sie immer motiviert?

Nein. Ich frage mich, warum es die Wörter immer und nie überhaupt gibt. Ich mag diese Extreme nicht. Ich bin sehr zielstrebig, mich motivieren meine Visionen, Träume und Wünsche. Aber auch nicht jeden Tag, immer und ständig. Und auch das ist in Ordnung.

Interview: Lin Hierse