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Missbrauch in Chile: Papst entlässt drei Bischöfe

Franziskus zieht Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche Chiles. 34 Bischöfe boten ihren Rücktritt an, darunter der umstrittene Bischof Juan Barros

Das Neue

Papst Franziskus hat am Montag den Rücktritt dreier chilenischer Bischöfe angenommen. Unter den dreien ist auch Bischof Juan Barros, der schon seit Langem umstritten war. Barros, Bischof von Osorno im Süden des Landes, wird vorgeworfen, in den 1980er und 1990er Jahren systematisch den sexuellen Missbrauch von Kindern durch den Pfarrer Fernando Karadima vertuscht zu haben.

Der Kontext

Im Januar hatte Franziskus zum ersten Mal während seines Pontifikats Chile besucht. Zu dem Zeitpunkt stand die katholische Kirche in Chile bereits seit Jahren unter großem Druck, weil sich Berichte über sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche gehäuft hatten. Im Zentrum stand Juan Barros, der schon von einer Menge Protestierender ausgebuht wurde, als er 2015 das Bischofsamt in der Diözese Osorno antrat.

Er habe, so die Kritik, schon 1984 als Sekretär des Kardinals Juan Francisco Fresno, die ersten Anzeigen wegen sexuellen Missbrauchs durch Pfarrer Fernando Karadima erhalten – und die Klagen schlicht ignoriert. Einige Opfer berichteten sogar, Barros habe den Missbrauchshandlungen selbst beigewohnt. Aber es dauerte noch Jahre, bis die Kirche gegen Karadima irgendetwas unternahm. Sie verhinderte erfolgreich, dass es zu strafrechtlichen Ermittlungen kam – als diese dann viel später aufgenommen wurden, galten die Taten bereits als verjährt. Und von der Kirche wurde Karadima lediglich versetzt.

Nichtsdestotrotz stellte sich Franziskus während des Chile-Besuchs noch vor Barros. Der Bischof nahm sogar prominent an der großen Papstmesse in Santiago teil – was dem argentinischen Papst massive Kritik einbrachte und den Besuch zum Fiasko geraten ließ, zumal bekannt wurde, dass sich einige der Opfer bereits 2015 hilfesuchend an den Papst gewandt hatten.

Nach dem desaströsen Besuch startete die Kirche eine eigene Ermittlung und lud einige Opfer in den Vatikan ein. Im Mai wurden dort die Ergebnisse präsentiert – drei Tage später reichten alle 34 chilenischen Bischöfe ihren Rücktritt ein – der Papst solle nunmehr entscheiden, sagten sie. Das hat er jetzt ­getan.

Die Reaktionen

Einige der Opfer zeigten sich erfreut und erleichtert über die jetzt verifizierten Rücktritte. „Jetzt beginnt ein neuer Tag in der katholischen Kirche in Chile! Drei korrupte Bischöfe gehen, weitere werden folgen. Die Bande der kriminellen Bischöfe beginnt sich ab heute aufzulösen!“, twitterte Juan Carlos Cruz, eines der Opfer und Ankläger des Pfarrers Karadima.

Die Konsequenz

Dass Franziskus nunmehr den Rücktritt dreier Bischöfe, unter anderem den von Barros, angenommen hat, war überfällig. Allerdings ist kaum zu glauben, dass das ausreicht, um das zutiefst angeschlagene Vertrauen der chilenischen Gläubigen in die Kirchenhierarchie wiederherzustellen. Vermutlich werden weitere Personalentscheidungen folgen müssen. Bernd Pickert