liebeserklärung

Monsanto

Der Name Monsanto ist ein Menetekel: Er steht für alle Grausamkeiten, die Menschen Menschen und allen Lebewesen antun können. Wir sollten ihn nicht vergessen

Das Leben ist ein ewiger Abschied, heißt es. Doch wer seine Erinnerungen genießen könne, der lebe zweimal. So wollen wir uns in dieser Abschiedsstunde noch einmal an die Highlights der geliebten Firma Monsanto ­erinnern. Der größte, der aggressivste, der schrecklichste Agrogigant auf unserer kleinen blauen Murmel hat über eine Partitur von Skandalen verfügt wie kein anderer. Dafür wollen wir dankbar sein.

Monsanto hat uns immer wieder überrascht mit souveränem Handling mysteriöser Todesfälle, widerspenstiger Regierungen, uneinsichtiger Wissenschaftler. Das filigrane Kurzpassspiel zwischen US-Regierung, CIA, privaten „Sicherheitsfirmen“ und ­Monsanto – das war großer Sport. Und wie bei Gentechgegnern und Forschern plötzlich die Lichter ihrer Computer ausgingen – Chapeau! Die deutsche Ex-Agrarministerin Aigner – Ilse Bilse, keiner willse – die habt ihr bei ihrem US-Besuch derart rundgemacht! Die Bayern waren ohnehin renitent, wollten ums Verrecken ­koane Hightechpflanzerl, selbst der Bauernverband sei „voller Hass“ auf euch gewesen, ihr fühltet euch „dämo­nisiert“. Nicht schön. Und unvergessen.

Obwohl: Manche Sachen haben wir doch vergessen. Vietnam etwa: dass ihr ein großer Hersteller von Agent Orange wart. Wälder entlauben, Äcker vergiften, Leute umbringen. Da macht euch keiner was vor. Und der Skandal von Times Beach, einem netten Urlaubsort in Missouri: massenhaft tote Katzen, Hunde, Vögel, Waschbären, dazu die vielen Leute mit Gasmasken und Schutzanzügen. Panik überall. Da hat man den ganzen giftigen und verrotteten Ort einfach abgerissen. Tabula rasa!

Doch es hörte nicht auf: Aspartam, der krebsverdächtige Süßstoff, Glyphosat natürlich, die schon wieder krebsverdächtige milliardenschwere chemische Keule, oder die Killerchemikalie PCB, dann SmartStax, die am stärksten erbgutveränderte Pflanze aller Zeiten, dazu die Massenselbstmorde der indischen Baumwollbauern, die gruseligen Patente auf Nahrungsmittel, die unzähligen Prozesse wütender Landwirte: Ihr hattet ganz schön zu tun. Vorbei! Jetzt kuschelt ihr euch bei Bayer unter. Das passt. Wir sagen: „Nehmt Abschied, Brüder, ungewiss / ist alle Wiederkehr / die Zukunft liegt in Finsternis / und macht das Herz uns schwer.“ Tschüss, Monsanto! Manfred Kriener