Philipp Gessler über die Papstreise nach Kolumbien

Macht und Ohnmacht

Der Papst kann und muss zu Frieden mahnen. Den Frieden bringen kann er nicht

Seit 1494, seit dem Vertrag von Tordesillas, ist das Papsttum in Lateinamerika eine hoch politische Kraft. Damals, schon sehr kurz nach der „Entdeckung“ Amerikas durch Christoph Columbus 1492, versuchte der damalige Papst Alexander VI. die beiden Großmächte Portugal und Spanien per Vertrag auf unantastbare Einflusssphären in der Neuen Welt zu verpflichten – was nur halb gelang (wie das meiste, was der verruchte Borgia-Papst anpackte).

Dennoch: Der Heilige Stuhl, wo man weniger in Jahren als in Jahrhunderten denkt, hat wohl nirgendwo auf der Welt mehr politische Macht als in Lateinamerika. Selbst in Polen schert man sich beispielsweise in der Flüchtlingsfrage kaum noch darum, was der Pontifex maximus in Rom so sagt, seitdem der polnische Papst Johannes Papst II. 2005 gestorben ist. Franziskus mahnt zur Barmherzigkeit mit Flüchtlingen? Was geht es uns an?, tönt es vom polnischen Episkopat – und erst recht von der angeblich so katholischen PiS-Regierung in Warschau.

Die Reise von Papst Franziskus nach Südamerika zeigte ebenfalls diese Ambivalenz: Auch hier in diesem katholischsten aller Kontinente wurde Macht und Ohnmacht des Papstes deutlich. Einerseits gelang es, auch mithilfe des Vatikans den jahrzehntelangen Bürgerkrieg in Kolumbien zu beenden – oder doch zumindest einen viel versprechenden Friedensprozess auf den Weg zu bringen. Andererseits verhallten die Appelle von Franziskus an Venezuelas Präsidenten Nicolas Maduro auf die Einsetzung einer verfassunggebenden Versammlung zu verzichten, die nur dessen Diktatur ausbauen würde.

Es mag enttäuschend sein für die Menschen in Venezuela, dass selbst der Papst Maduro nicht zur Räson bringen kann. Global gesehen aber ist es gut, dass es auch dem Mann in Rom nicht mehr gelingt, direkt in die Politik auch sehr katholischer Länder hineinzufunken. Der Papst kann und muss zu Frieden mahnen. Ihn bringen kann er nicht.

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