Ich wollte meinen Erfahrungshorizont erweitern. Aber dann fehlten die Gelegenheiten

Make Fasching Great Again

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AM RAND

Klaus Irler

Kürzlich habe ich mich mit einem Unternehmensberater unterhalten, der Firmen hilft, mit den Mitteln der Kunst die Markt-Performance zu verbessern. Wie das gehe, wollte ich wissen. Der Unternehmensberater sagte: „Die Aufgabe des Künstlers ist, das Problem des weißen Blattes zu lösen. Das Gleiche müssen erfolgreiche Unternehmen auch tun: Sich neu erfinden, aus dem Nichts etwas entwickeln. Für diese Aufgabe sind Künstler Experten.“

Nun bin ich kein Künstler, kenne aber das Problem des weißen Blattes ganz gut. Bei mir ist es ein weißer Bildschirm und ich verfalle regelmäßig der Versuchung, den weißen Bildschirm bunt zu machen, indem ich meinen Internet-Browser öffne und unsinnige Suchanfragen starte.

Zum Beispiel habe ich geschaut, was rauskommt, wenn ich nach „Trump“ und „Niendorf“ suche. Viele Treffer gab’s nicht. Trump ist medial der Burner, Niendorf ist das Gegenteil, eine Schnittmenge ist nicht vorhanden. Immerhin gab es einen Treffer auf Ebay. Dort wollte jemand eine Trump-Perücke verkaufen unter dem Motto „Make Fasching Great Again“.

Für mich klingt das nach einem extrem harten Programm: Erstens auf eine Faschings-Party zu gehen und zweitens als Trump verkleidet. Es gibt nicht viel, das mir ferner liegen würde, insofern sollte ich es vielleicht mal tun. Es hätte eine enorme Erweiterung des persönlichen Erfahrungshorizonts zur Folge. Ich würde ein neues Universum erforschen. Ich hätte etwas zu erzählen. Ich sollte es tun.

Leider war die Trump-Perrücke bei Ebay schon weg. Aber als was würde ich mich dann verkleiden? Ich könnte meinen schwarzen Anzug anziehen und als Ölpest gehen. Oder ich binde mir einen Spaten auf den Rücken und gehe als Elbvertiefung. Ist alles mittelschräg und tut nicht so richtig weh. Trump wäre schon die beste Lösung.

Oder wie wäre es, ich ginge als Putin, Assad oder Erdoğan? Will dann jemand mit mir sprechen? Als Trump, glaube ich, hätte ich eine Chance, nicht ernst genommen zu werden. Aber als Putin? Und was, wenn Du als Putin gehst und einem Steinmeier begegnest? Macht das Spaß?

Ich sollte nicht zu viele Fragen stellen. Ich sollte mir lieber anschauen, wo ich am Rosenmontag hingehen könnte. Das Programm in Hamburg ist sehr überschaubar: Mit mittelmäßigem Rechercheaufwand findet sich nur eine Rosenmontags-Party im Restaurant Parlament und ein Reiseangebot für eine Fahrt nach Köln im Pappnasen-Express.

Bei Licht betrachtet könnte ich weder das eine noch das andere durchstehen, Fasching im Parlament oder Fasching im Sonderzug klingt beides nach einem Preis, der zu hoch ist, das klingt nicht nach neuem Universum, sondern schwarzem Loch. Also gehe ich lieber einkaufen und freue mich, dass die Süßigkeiten karnevalsmäßig im Sonderangebot sind und mich niemand zwingen kann, Kleinen Feigling zu trinken.