heute in bremen

„Nur noch wenige Kamine“

Heiligabend Der „Bremer Bilderbuchweihnachts-mann“ passt nicht durch Heizungsrohre

Der Weihnachtsmann

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41, heißt Stefan Röben und arbeitet im Zweitberuf als kaufmännischer Angestellter. Seit elf Jahren ist er Weihnachtsmann.

taz: Herr Weihnachtsmann, haben Sie noch Termine frei?

Weihnachtsmann: An Heiligabend auf keinen Fall. Morgen habe ich noch den einen oder anderen Termin frei, aber am zweiten Weihnachtsfeiertag arbeite ich nicht, da bin ich bei meiner Familie.

Wen bescheren Sie denn so?

Hauptsächlich kleine Kinder, die noch an mich glauben. Aber auch große Kinder und Erwachsene, das ist ganz unterschiedlich. Vorher bekomme ich von den Eltern Informationen: Was ist gut gelaufen im letzten Jahr, was nicht so gut? Dann kann ich die Kinder loben oder tadeln.

Müssen die Kinder zur Bescherung was singen oder ein Gedicht aufsagen?

Ja. Ich stehe aber vorher mit den Eltern per Mail in Kontakt: Wenn die mir sagen, dass ihre Kinder dafür zu schüchtern sind und nichts aufsagen möchten, dann müssen sie nicht.

Ab wann muss man Sie denn buchen, wenn man noch einen Termin haben möchte?

Ich vergebe die Termine immer erst ab dem 1. September. Mitte Oktober bin ich dann meistens ausgebucht, jedenfalls für die Weihnachtstage. Vorweihnachtliche Termine ergeben sich meistens auch noch später.

Woher kriegen Sie die Geschenke?

Ich rufe immer 15 Minuten vorher an und sage, dass ich auf dem Weg bin. Dann sagen mir die Eltern, wo ich die Geschenke finden kann.

Kommen Sie durch den Schornstein?

Nein, bei Einfamilienhäusern komme ich in der Regel über die Terrasse. Es gibt ja nur noch wenige Kamine, sondern nur Heizungen. Und da sind die Rohre so schmal, dass ich da nicht durchpasse. Das verstehen die Kinder. Ich habe einen großen Schlüssel an meinem Gürtel und erkläre den Kindern dann, dass ich damit zu Weihnachten in jedes Haus komme.

Kommen Sie mit dem Schlitten oder mit einem Coca-Cola-Wagen?

Ich komme richtig klassisch mit einem Rentierschlitten. Ich parke ihn aber außerhalb der Stadt, denn hier liegt ja meistens kein Schnee. Dann sage ich den Kindern, dass ich zum Beispiel im Blockland eine Wiese gefunden habe, auf der Schnee liegt, und da gelandet bin.

Was machen Sie, wenn es in Bremen doch mal schneien sollte zu Weihnachten?

Das wäre schlecht. Dann hätte ich keine Ausrede mehr. Aber zum Glück ist das bislang nie passiert.

Interview: Karolina Meyer-Schilf

Heiligabend und 1. Weihnachtstag, an wechselnden Orten