Portrait

Bald Expräsident: Holger Watter Foto: Kristof Gatermann

Der Streitbare

Rund um die Hochschule für angewandte Wissenschaften in Flensburg ist die Aufregung groß. Präsident Holger Watter tritt zum 31. Januar 2017 zurück. Mit 53 und nach dann nur zweijähriger Tätigkeit. Das wirft Fragen auf. Auch deshalb, weil die Meldung der Hochschule kaum nach einer konfliktfreien Trennung klingt: „Unterschiedliche Auffassungen zur inneren Struktur, zur Positionierung und zur Entwicklung der Hochschule“, heißt es. Kurzum: Hinter den Bürotüren in der Kanzleistraße 91–93 dürften hitzige Debatten stattgefunden haben. Schon im November 2015 hatte sich Martin von Schilling als Vizepräsident zurückgezogen, im August 2015 dann Klaus Hoefs, ebenfalls ein Vize unter Präsident Watter.

Inhaltlich geht es um die Frage, ob die Hochschule eher in die Breite oder in der Spitze wachsen will. Watter hatte sich klar positioniert: „Den Zustand der Hochschule beurteile ich kritisch“, sagt er der taz. „Die Qualität des Personals stimmt, aber die Rahmenbedingungen sind schlecht. Der Bachelor ist aufgebläht worden, den Master hat man vergessen.“ Er könne nur jedem zehnten Bachelor-Absolventen einen Masterplatz anbieten, sagt Watter: „Das ist zu wenig.“

Mit Rahmenbedingungen sind etwa die sogenannten Betreuungsrelationen gemeint: Um wie viele Studierende kann sich eine Lehrkraft kümmern? Laut Watter kommen an deutschen Unis auf eine Lehrkraft durchschnittlich zehn Studierende. An den Fachhochschulen betrage das Verhältnis 1:25, in Flensburg sogar nur 1:36. „Die Lehrkräfte sind maßlos überlastet“, konkretisiert Watter. „Sie müssen sich verstärkt mit Abschlussarbeiten oder Klausuren beschäftigen.“

Bis 2020 hätte der Präsident eine Normalisierung der Verhältnisse erreichen wollen – ein Teil der Führungsriege war anderer Meinung: Sie will, dass die Zahl der Studierenden weiter steigt. Vor zehn Jahren waren es 2.000, derzeit sind es rund 4.000. „Ich streite mich gerne“, sagt Watter, aber diesen inhaltlichen Konflikt habe an der Uni niemand austragen wollen: „Konfliktkultur sind wir gar nicht mehr gewohnt.“

Der promovierte Schiffsmaschinenbau-Ingenieur ist künftig wieder „normaler Hochschullehrer“ in Flensburg. DJo