Kommentar Küppersbusch

Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Wolfgang Clements Attacke gegen Ypsilanti, sie vergraule die Industrie, ist unter seinem eigenen Niveau. Die SPD muss aufhören, die gescheiterte Industriepolitik zu feiern.

taz: Was war schlecht in der letzten Woche?

Friedrich Küppersbusch: CDU-Landesminister Wolfgang Reinhart möchte die Invektive "Schweinefresser" als antideutsch unter Strafe stellen.

Was wird besser in dieser?

Verhaftungswellen am Vegetarierregal, neues Schimpfwort "Wolfgang Reinhart".

Nokia schließt sein Werk in Bochum und zieht nach Rumänien um. Ist die Empörung deutscher Politiker nicht ein kleines bisschen bigott?

Auffällig sind zwei, die sich nicht empören: Peer Steinbrück mahnt, man solle keine falschen Hoffnungen schüren. Er muss es wissen, kennt die Nokia-Verträge, war 1998 bis 2002 zuständiger Wirtschaftsminister. Und managte die just von seinem Vorgänger und nun Chef, Wolfgang Clement, verhandelte hochsubventionierte Werkserweiterung. Clements Attacke gegen ausgerechnet Ypsilanti, sie vergraule Industrie, ist unter seinem eigenen Niveau. Es adelte Steinbrück und Clement, stattdessen Verantwortung zu übernehmen. Eine bessere Industriepolitik wird die SPD nicht hinbekommen, solange sie die gescheiterte weiter feiert.

Kann man verhindern, dass Konzerne Subventionen absahnen - und dann dünnemachen?

Emil Boc meint: Nein, und er ist immerhin der Bürgermeister von Cluj, wohin Nokia jetzt heuschreckt: "Wer weiß", so Boc, "vielleicht werden sie in einigen Jahren wieder woandershin ziehen! Das ist die Marktwirtschaft, wie sie die EU uns so ans Herz gelegt hat." Bedenkt man, wie Greenpeace mit vielfach überhöhten, falschen Zahlen doch Shell an der Versenkung der "Brent Spar" hinderte, politisch gar ein Verbot des Plattformversenkens durchsetzte - heißt die Perspektive: Verbrauchergewerkschaft. Ich finde Boykottaufrufe von IG Metall bis Struck und Merkel aussichtsreich, und eine professionelle NO-kia-Kampagne sollte Managern klarmachen, dass Herkunft und Verantwortung vom Verbraucher als Teil der Produktqualität mitbezahlt werden. So wie es bei ökologischen Produktaspekten bereits gelingt. Sonst übrigens ist Opel morgen auch weg.

Roland Koch hat zuletzt rapide an Wählergunst verloren. Ist das ein Anlass, dem Wähler zu gratulieren, der nicht mehr so reflexhaft regiert, wie Bild das gern hätte?

Och, gern. Kochs sensationell schlechte Statistik ausgerechnet im Bereich Jugendkriminalität war dazu ein hübscher Beitrag.

Koch setzt jetzt auf einen Anti-Kommunisten-Wahlkampf. Ist das aussichtsreich?

Für Kommunisten ja. Koch sagt, dass man ihn am besten ärgert, wenn man die Linkspartei wählt. Das soll vor allem linke Wähler von SPD und Grünen weglocken.

Ypsilanti tritt mit einem linken Programm und Schattenkabinett an. Wann hat eine SPD-Linke das letzte Mal eine Wahl gewonnen - und auch noch ihre Versprechen realisiert?

Kann man als Frauenrecht sehen, mindestens genauso links zu blinken und dann rechts abzubiegen wie die Jungs. Interessant, dass das humorige Etikett "SPD-Linke" von der Ahnfrau Rote Heidi Wieczorek-Zeul über Nahles bis Ypsilanti ragt. Warum fällt mir keine vergleichbare Jungsgalerie ein?

Kleiner Tipp: Was passiert in Hessen, wenn keiner eine Mehrheit bekommt?

Koch und Grün geht nicht, die FPD hat alles außer Koch ausgeschlossen - bliebe noch eine dann allerdings diametral unverträgliche große Koalition. Vorher kippt die FDP.

In Niedersachsen hat die Frau des SPD-Kandidaten Jüttner in der Bunten kritisiert, dass und wie sich der CDU-MP Christian Wulff von seiner Frau getrennt hat. Darf man so etwas im Wahlkampf?

Wenn man selbst auch gern mal öffentlich durchgenommen werden möchte, muss man sich so bewerben.

Und was macht Borussia Dortmund?

Wenn wir schon keinen guten Torwart haben, dann haben wir wenigstens viele: Weidenfeller kommt zurück, Ziegler ist die Nr. eins, der Sportdirektor sucht noch ein, zwei Keeper für die Amateure mit möglicherweise Perspektive für die erste Mannschaft. Ab vier Keepern gleichzeitig steht die null, nehme ich an.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de