Raubdruck-Aufspürer im Netz

Geld verdienen mit geklauten Texten

Die Spezialfirma Attributor stöbert im Netz Copyright-Verletzungen auf, damit Rechteinhaber klagen können. Einsichtigen Webmastern will man künftig auch ein anderes Modell anbieten: Werbung.

"Attributor" versucht, jeden noch so kleinen geklauten Absatz aus den Texten seiner Kunden aufzuspüren - eine Lupe ist dazu allerdings nicht nötig. Bild: dpa

Die deutsche Presseagentur dpa hat künftig im Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen einen Helfer mit martialisch klingendem Namen: Das US-Spezialunternehmen Attributor aus dem kalifornischen Redwood City soll sich im Web auf die Lauer legen, um nach unerlaubten digitalen Raubdrucken von Meldungen der Journalismusfabrik zu suchen - damit diese gegebenenfalls rechtlich verfolgt werden können. "Die dpa-Unternehmensgruppe schützt ihre eigenen Inhalte vor Missbrauch und steht auch ihren Kunden im Kampf gegen Online-Piraterie konsequent zur Seite", tönte dazu dpa-Manager Malte von Trotha in einer Pressemitteilung, die es selbst in US-High-Tech-Blogs schaffte.

Attributor ist dabei nicht mehr und nicht weniger als eine Art aufgebohrtes Google: Die Firma durchstöbert mit speziellen Algorithmen ständig das Web und gleicht das gefundene dann mit einer Kundenliste ab. Steht eine Website, die kommerzielle Texte wiederverwendet, dann da nicht drauf, klingeln die Alarmglocken beim Justiziariat.

Droht nun also jedem Privatblogger künftig die Attributor-Keule, wenn der einmal einen Absatz zu viel aus einer dpa-Nachricht zitiert? Nicht unbedingt. Die kalifornischen Piraterie-Schnüffler haben sich für solche Fälle, bei denen sich eine rechtliche Verfolgung eh kaum lohnt, nun etwas ganz besonderes einfallen lassen: Eine Plattform zum Geldverdienen mit geklauten Texten. Die nennt sich "FairShare" und hat zum Ziel, mit Zuckerbrot und Peitsche zumindest gegen Gelegenheitsmeldungsdiebe vorzugehen.

Das funktioniert so: Sobald das FairShare-System auf einen entführten Volltext stößt, der sich beispielsweise auf einem nichtkommerziellen Weblog befindet, das ein paar Euro mit Reklame verdient, geht eine automatisierte Notiz an den Werbedienstleister des Bloggers. Dieser wiederum gibt dann einen gewissen Anteil der Werbeerlöse, die mit dem geklauten Stück verdient werden, an den Rechteinhaber ab. Somit kann der Blogger sich weiterhin über gute Inhalte freuen, der Copyright-Besitzer immerhin über eine gewisse Kompensation. Ob das mehr als einige Euros werden, hängt von der Popularität eines Textes ab.

Bislang nahmen an FairShare selbst vor allem Blogger Teil, deren Postings auf anderen Seiten verwendet wurden. Auch die Anzahl der Werbedienstleister, die bereit waren, Anteile an den oder die Rechteinhaber abzutreten, war klein. Attributor will die Plattform nun aber professionalisieren: In dieser Woche gab das Unternehmen bekannt, dass sich 1.000 Inhalteproduzenten, darunter die New York Times, die Washington Post, die Nachrichtenagentur Reuters, Profiblogs wie Huffington Post und Politico und sogar die erwähnte dpa bereit erklärt hätten, ein um FairShare herum aufgebautes Syndizierungskonsortium zu bilden.

Ein erstes Werbenetzwerk, das in den USA im Mittelfeld mitspielende Adbrite, ist ebenfalls mit von der Partie. Von Google, dessen "Adsense"-Reklame sich auf den meisten kleineren Seiten befindet, ist bislang allerdings noch nichts zu sehen; allerdings kann man Google per FairShare bereits jetzt darüber informieren, dass ein Nutzer mit geklauten Texten Werbegelder verdient und dies dann mit wenigen Klicks unterbinden lassen.

Wie sanft Rechteinhaber mit der Mitnahme kompletter Texte umgehen werden, bleibt ihnen derweil auch bei FairShare selbst überlassen. Die Idee sei aber, so Attributor, zunächst einmal freundlich beim grauen Inhalteverwerter anzufragen, ob der sich bereit erklärt, auf Teile seiner Werbegelder zu verzichten. Will er das nicht, bleibt immer noch der Verkauf von Lizenzen, um die Nutzung zu legalisieren - oder schließlich eben der Anruf beim Anwalt. Ist die Attributor-Infrastruktur erst einmal aufgebaut und funktioniert so, wie vom Hersteller angepriesen, dürften bald zahlreiche E-Mail-Anklopfer an Copy+Paste-Künstler ins Netz versendet werden.

Attributor ist unterdessen nicht das einzige Unternehmen, das versucht, aus dem Problem der digitalen Kopien ein Geschäft zu machen. Großes Vorbild sind dabei die Videoportale. Die erlauben es längst, ihre Inhalte überall im Web einzubinden und nutzen diese große Verbreitung dann, mehr Werbekunden zu finden. Reklame wird dann vor einem Filmchen eben immer gezeigt - egal ob das auf der Original-Website steht oder auf einer obskuren Homepage.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de