DAS ENTSCHEIDENDE DETAIL

Nett gemeint

WOHLTÄTIG? Ein Milliardärsklub verkündet, Hasso Plattner werde die Hälfte seines Vermögens spenden. Der SAP-Mitbegründer widerspricht

Dass ein Club von Multimilliardären Summen nach Gutdünken verteilt, ist undemokratisch

Der Milliardär und Mitbegründer des Software-Herstellers SAP, Hasso Plattner, habe sich verpflichtet, die Hälfte seines Vermögens zu spenden. Das zumindest behauptete am Mittwoch der von Bill Gates und Warren Buffett gegründete Klub „The Giving Pledge“. Er möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben, lautete die Begründung des Vereins, deswegen wolle Plattner die Hälfte seiner 5,7 Milliarden Euro in wohltätige Projekte fließen lassen. Auf deren Website ist gar ein von Hasso Plattner unterzeichneter Brief zu sehen, der seinen Wunsch bestätigt. So schön, so wohltätig. Doch der 69 Jahre alte Plattner widerspricht vehement. Via Bild ließ er mitteilen: „Ich bin Bill Gates’ Initiative ‚The Giving Pledge‘ nicht beigetreten. Ich frage mich, wie Gates das auf der Internetseite seiner Stiftung behaupten kann. Seit Jahren versucht Gates mich zum Beitritt zu seiner Initiative zu bewegen. Aber ich lasse mich von Gates nicht unter Druck setzen.“

Dabei ist „The Giving Pledge“ im Grunde doch eine feine Sache. Die Reichsten unserer Gesellschaft, jene, die offensichtlich wissen, wo es langgeht, nehmen das Ruder in die Hand und helfen, die Probleme der Welt zu lösen. Kann man da überhaupt etwas dran aussetzen?

Ja. In einem Interview auf Spiegel Online von 2010, dem Gründungsjahr des Clubs, stellt der Hamburger Reeder und Multimillionär Peter Krämer die entscheidende Frage: „Wer legitimiert diese Menschen, zu entscheiden, wo solche riesigen Beträge hinfließen?“

Das Geld bleibt schließlich stets unter der KONTROLLE der Superreichen – die Milliarden fließen dorthin, wo er sie gut angelegt sieht. In Universitäten und Bildungsorganisationen. „Jede Person trifft ihre individuellen Entscheidungen, in welche Organisationen das Geld fließt“, heißt es bei „The Giving Pledge“. 105 Milliardäre sind dem Aufruf gefolgt. Dass nun ein Club von Multimilliardären Summen nach Gutdünken verteilt, auf die mancher Kleinstaat neidisch wäre, ist zwar nett – aber ebenso undemokratisch. THOMAS BLOCK