… DAS KADEWE?

An den Kolonialismus erinnern

Im KaDeWe darf man sich momentan über etwas Gratiswerbung freuen, weltweit, weil ja kürzlich David Bowie ein neues Lied veröffentlicht hat, in dem er unter anderem „lost in time near KaDeWe“ singt und sich damit an seine Berliner Zeit erinnert, als er von seiner Schöneberger Wohnung gern rüber zum Wittenbergplatz ging, um sich im Kaufhaus des Westens mit lecker Essen einzudecken, das ihm dann sein Mitbewohner Iggy Pop wieder aus dem Kühlschrank klaute.

Aber so waren halt die Zeiten, damals. „Where Are We Now?“, heißt übrigens das Lied. Wo sind wir jetzt? Im KaDeWe weiß man das nicht ganz so genau. Im Zweifel eben doch „lost in time“.

Jedenfalls handelt man dort immer noch mit „Kolonialwaren“, wie uns eine Leserin wissen ließ, nachdem sie im KaDeWe Tee gekauft hatte und beim Blick auf den Kassenbon „etwas sprachlos“ ebendiesen Begriff entdeckte, der wohl bereits ein wenig erklärungsbedürftig ist.

Als Kolonialwaren bezeichnete man einst überseeische Lebens- und Genussmittel, Kaffee, Tabak, Gewürze und eben Tee. Was halt hierzulande kaum gedeiht und zur Kolonialzeit aus den Kolonien nach Europa geschifft wurde.

Die Kolonialzeit darf aber doch als überwunden gelten – was auch nach einer sprachlichen Korrektur bei den Kolonialwaren schreit. Einerseits. Andererseits braucht der Kapitalismus gar keine Kolonien mehr, um im Handel trotzdem weiterhin koloniale Verhältnisse zu reproduzieren. Betrachten wir den KaDeWe-Kassenbon also einfach als kleinen Stachel der Erinnerung. TM Foto: privat