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Neulich im Sportsumpf

Weil der vermeintliche Exklusiv-Hattrick der „tz“ im Wettskandal ein Foulspiel war, bekommt jetzt der Sportchef die rote Karte

Da war’s vor genau einer Woche kräftig durchgegangen mit den Herren des Sports beim Münchner Boulevardblatt tz. Sportchef Gerald Selch sah alle Hoffnung fahren: „Stirbt all die Freude? Platzen unsere schönen Träume, mit denen wir in dieses WM-Jahr gegangen sind?“, fragte Selch, im Nebenjob stellvertretender Chefredakteur der Zeitung. Und ahnte noch nicht, dass er über sich selbst schrieb.

Schweinsteiger (FC Bayern), Agostino und Lanzaat (beide München 1860) steckten angeblich im „Sumpf“ des jüngsten Sportwetten-Skandals, hatte die tz unter Berung auf Vereins-Insider beim FC berichtet. „Ist der deutsche Fußball tot?“, sorgte sich Selch. Alles Ente oder was? Im gestern veröffentlichten Widerruf heißt es jedenfalls, alle genannten Spieler „stecken nicht in einem Wettsumpf“. Mehr noch: „Wir widerrufen die diesbezügliche Berichterstattung, die wir zutiefst bedauern, und entschuldigen uns bei allen Betroffenen ausdrücklich.“ Selch nehme den Hut, eine „einseitige Schuldzuweisung für die gemeinsam getragene Entscheidung zur Veröffentlichung der Berichterstattung bedeutet dies aber nicht“.

Das ist honorig. Und wichtig, schließlich könnte dieses kollektive „Mea culpa“ die Summe etwas mindern, die die Erwähnten als Wiedergutmachung von der tz verlangen dürften. Viel wichtiger ist aber doch die Frage, was Selchs Koautor bei der ganzen tz-Geschichte macht. Denn der heißt Max Breitner, ist im Nebenjob Fußballer-Sohn. Und versucht im FC wohl gerade der Topquelle einen Platzverweis zu verpassen.

Denn auch wenn die tz hier beim großmächtigen FC Bayern voll danebenschoss, eines kann man dem Blatt nicht vorwerfen: dass es im Sumpf des allzeit klubfreundlich-devoten Sportjournalismus steckt. STG