KOMMENTAR: EIKEN BRUHN ÜBER SEXISMUS

Verbote helfen nicht

Als die Gründerin von „Pinkstinks“, Stevie Schmiedel, vor zwei Wochen auf Einladung der Evangelischen Kirche in Bremen war, erzählte sie ihrem Publikum Altbekanntes. Erstens: Schon Säuglingen wird mit Spielzeug und Kleidung eine Rolle zugewiesen, süß und zart wie Prinzessin Lillifee oder wild und herausfordernd wie Captain Sharky. Zweitens: Die Dauerpräsenz von dünnen Models in Medien verunsichert Mädchen und Frauen. Drittens: Werbung zielt auf niederste Instinkte, um Aufmerksamkeit zu erregen. Titten und Ärsche – und wer das nicht lustig findet, ist verkrampft.

Doch Schmiedel – die schlimmere Schmähungen erlebt – berichtete auch Neues: Dass man und frau sich wehren können. Sie erzählte von erfolgreichen Kampagnen, etwa gegen das Mädchen-T-Shirt eines Versandhauses. Nach einem digitalen Shitstorm wurde „In Mathe bin ich Deko“ vom Markt genommen.

Natürlich ist es ein Kampf gegen Windmühlen. Solange die Leute sechs Monate alten Mädchen hautenge Jeans und rosa Spängchen kaufen und Jungs Camouflage-Hosen und T-Shirts mit Flugzeug-Aufdruck, wird die Industrie geschlechterstereotypes Zeug produzieren.

Mit Verboten kommt man da tatsächlich nicht weit. Aber darauf zielt der Antrag von SPD und Grünen zur sexistischen Werbung nicht. Er will für das Thema sensibilisieren und eine Debatte anzetteln. Wenn bei dieser heraus kommt, dass nicht nur Werbung diskriminierende Frauenbilder zeigt, wie ein Bremer Werber der taz mit Verweis auf das Internet sagte: umso besser.