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Botschaft unter falscher Flagge

Alle gucken Fußball. Wir auch. Bis zum Ende der WM berichten wir täglich live von den Berliner Spielplätzen. Heute: Argentinien – Mexiko in der ehemaligen mongolischen Botschaft

Vom dem Eingang wehen Flaggen. Das ist standesgemäß im alten Botschaftsviertel der DDR in Pankow. Dennoch passen die Fahnen Argentinien und Mexiko nicht ganz zu dem Haus. Denn einst hatte hier die Mongolische Botschaft ihren Sitz.

Im einladenden, pittoresken Garten sitzen um drei gebrauchsübliche TV-Geräte je rund 30 Zuschauer. Junge Mütter mit herumtollenden Kindern, Studenten, Überlebenskünstler, Fußballbegeisterte – der typische Prenzlauer-Berg-Mix, nur eben in Pankow. Eine Bar gibt es auch. Fleisch zum Grillen kann mitgebracht werden. Das spart Geld und so genießen viele gleich den halben Tag lang die entspannte Picknickatmosphäre.

Es hätten sich auch schon Interessierte von der gegenüberliegenden Kubanischen Botschaft unter die Zuschauer gemischt, erzählt Harry Sachs vom Verein „Kunstrepublik“. Der Verein hat das seit Jahren leer stehende Anwesen für einige Wochen gemietet – und die „Mongolische Botschaft A. D.“ eröffnet.

In den 70er-Jahren entwarf der Berliner Architekt Eckhardt Schmidt hier im Grenzbereich zwischen Prenzlauer Berg und Pankow 25 dreigeschossige, genormte Häuser im schnörkellosen Bauhaus-Stil. Die dienten in der Hauptstadt der DDR vor allem kleineren Länder als Botschaften und Residenzen. Mittlerweile sind nur noch einige finanzschwache Länder wie die Kapverdische Republik, Bosnien und Herzegowina oder Ghana hier vertreten. Als einzige Mission der ersten Stunde harrt noch Kuba aus. Im ganzen Viertel herrscht ein melancholischer Charme – rostige Fahnenstangen und renovierungsbedürftige Fassaden inklusive.

Im ehemaligen Konferenzraum der Mongolischen Botschaft ist eine Leinwand zu finden. Trotz tropischer Hitze wird auch drinnen von Hartgesottenen Fußball geguckt. Gott sei Dank gibt es hier oben im ersten Stock eine provisorische Bar. Und auf dem Weg herauf können die Besucher gleich einmal den Rest des Hauses begutachten. Im letzten Winter haben Dach und Installationen erheblichen Schaden genommen, sie konnten nur notdürftig in Stand gesetzt werden. Dennoch durchweht ein wenig der Hauch vergangener Diplomatenzeiten das Gebäude. Es wurde seit der Entstehung kaum verändert.

Die vier Künstler und Architekten von „Kunstrepublik“ hoffen, auch nach der WM bleiben zu können. Sie wollen das Gebäude im Originalzustand erhalten und zu einer internationalen Kulturstätte mit osteuropäischer Ausrichtung weiterentwickeln. Denn obwohl die Botschaftshäuser Typ „Pankow“ als einmalig gelten, stehen sie nicht unter Denkmalschutz. So werden die letzten Exemplare zu Mehrfamilienhäusern umgebaut oder müssen dem Neubau eines Billigdiscounters weichen. Auch für die Mongolische Botschaft steht schon ein Käufer bereit.

Der dürfte auch dem letzten Fahnenzeremoniell ein Ende setzen. Am Ende jeden Spieltags wird in Pankow die Flagge der unterlegenen Mannschaft auf Halbmast gesetzt. Schade Mexiko!

Dirk Hagen

Mongolische Botschaft A. D., Gotlandstraße 12, Pankow. Jeder Spieltag