DER RECHTE RANDWie Neonazis in Kiel agieren

Übergriffe und Sachschäden

Nach einem Angriff von Neonazis kann der Tänzer Claudiu C. seinen Beruf nicht mehr ausüben. Irreparable Gleichgewichtsstörungen und Taubheitsgefühle auf der einen Körperhälfte werden bleiben. Nach einem Jahr quälender Reha, so der Balletttänzer beim Kieler Opernhaus, stünde fest: Nie wieder werde er auf einer Bühne tanzen können.

Über ein Jahr ist der brutale Angriff her. Am Nachmittag des 18. April 2009 hatte nahe des Kieler Rathauses der „Runde Tisch gegen Rassismus“ einen Infostand aufgebaut. Mit Holzknüppeln bewaffnet versuchten an die 30 Neonazis der „Aktionsgruppe Kiel“ die Teilnehmer anzugreifen. Am Rande schlug der Neonazi Christopher R., im Jahr 2008 NPD-Kandidat bei der Kommunalwahl, den unbeteiligten Claudiu C. nieder. Mit zwei Arbeitskollegen hatte C. das Opernhaus verlassen. Der Faustschlag des Neonazis kam so unerwartet und so brutal dass C. einen doppelten Schädelbasisbruch erlitt.

„In den vergangenen zwei Jahren wurden eine Vielzahl von Menschen durch Neonazis verletzt, sie richteten Sachschäden in Höhe von mehreren 10.000 Euros an“, sagt eine Sprecherin des Bündnis „Runder Tisch“. Und sie erinnert daran, dass Unbekannte auf das linke Zentrum „Alte Meierei“ geschossen haben. Steine flogen zuletzt am 9. Mai durch das Fenster eines Kinderzimmers in dem Wohnprojekt „Dampfziegelei“. In der selben Nacht gingen auch Scheiben des Buchladens „Zapata“ zu Bruch.

Warum die Nazis so auftreten glaubt Harald Mücke vom Buchladen zu wissen: „Im Rat der Stadt wird von Bandenkriegen zwischen Links und Rechts gesprochen.“ Am Samstag will der „Runde Tisch“ mit einer Demonstration Solidarität für alle Opfer rechter Gewalt zeigen. Zu der Aktion rufen auch die Stadtpräsidentin Cathy Kietzer (SPD) und Oberbürgermeister Torsten Albig (SPD) auf. Die Demo beginnt um 16 Uhr am Kieler Hauptbahnhof.

Hinweis:ANDREAS SPEIT arbeitet als freier Journalist und Autor über die rechte Szene nicht nur in Norddeutschland