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Held Rüttgers?

Welch rührende Geschichte! Jürgen Rüttgers rettet ein kleines Kind vor der Abschiebung. Rüttgers, der kapitalismus-kritische Landesvater, der jetzt schützend seine Hände auch über den kleinen Düsseldorfer Edijan Idic hält. Will Rüttgers in seinem menschelnden Image ernst genommen werden, muss er mehr tun, als seinem Innenminister Ingo Wolf (FDP) die Rettung eines einzelnen Jungen ans Herz zu legen. Er bräuchte nur nach Berlin und Sachsen zu schauen: Dort haben die Landeschefs die Abschiebungen von lange geduldeten Familien durch eine so genannte Vorgriffsregelung erst einmal gestoppt.

KOMMENTAR VON NATALIE WIESMANN

Denn schon bald wird die Innenministerkonferenz ein Bleiberecht beschließen. Zwar wird noch diskutiert, welche Kriterien zu einem gesicherten Status führen sollen: Die Dauer des Aufenthalts, ein fester Arbeitsplatz oder doch allein die Integration der Kinder in Schule und Sportvereinen. Aber in jedem Fall soll es eine Bleiberecht geben – so hat es Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) angekündigt. Innenminister Wolf und Integrationsminister Armin Laschet (CDU) unterstützen diese Idee seit geraumer Zeit.

Doch während in Sachsen und Berlin die aussichtsreichen Fälle erst einmal vom Stapel „dringende Ausweisungen“ genommen werden, wird in NRW abgeschoben, als ob keine Bleiberechtsregelung in Sicht wäre. Morgen etwa geht ein weiterer Flug von Düsseldorf nach Pristina, mit Familien aus dem Kosovo, die vor langer Zeit als Kriegsflüchtlinge nach Deutschland kamen – und jetzt theoretisch Aussicht auf einen gesicherten Aufenthalt hätten. Wenn Rüttgers sich nun medienwirksam vors Flugzeug legen würde, wäre das schon eine kleine Sensation. Wenn Rüttgers aber seinen Innenminister dazu anweisen würde, alle mit Aussicht auf Bleiberecht erst einmal nicht abzuschieben, könnte er sogar der Held werden, der er so gerne wäre.