PUTIN 2: JE GRÖSSER DER SCHURKE, DESTO STÄRKER DIE PROTESTE

Moskau gefährdet den Weltfrieden nicht

Wenn Wladimir Putin zu Besuch in Deutschland weilt, gibt es genügend Gründe zum Protest. Dass er dennoch nicht so lautstark ausfällt wie jüngst, als etwa George W. Bush auf mecklenburgischem Boden einen Zwischenstopp einlegte, gilt manchen schon als hinreichender Beweis für einen tief sitzenden Antiamerikanismus in Deutschland. Doppelmoral, so wird in konservativen Kreisen gerne argumentiert, sei der einzige Grund, warum George W. Bush hierzulande als größerer Buh-Mann gelte als sein russischer Amtskollege. Dabei, so das Lamento, stehe Bush einer Demokratie und einem verbündeten Staat vor, während Putin ein eher zweifelhaftes Regime repräsentiere.

Mag alles sein. Und doch gibt es gute Gründe, warum die Proteste gegen Bush stärker ausfallen als bei einem Putin-Besuch. Der US-Präsident hat in seiner Amtszeit hinreichend bewiesen, dass er die größere Gefahr für den Weltfrieden darstellt. Seine Kriege gegen Afghanistan und den Irak, von denen zumindest letzterer einen klaren Bruch mit dem Völkerrecht markierte, sowie seine vorbehaltlose Unterstützung Israels gegen Palästinenser und Libanesen haben die Welt zu einem gefährlicheren Ort gemacht und dem islamistischen Terror neuen Auftrieb gegeben. Seine Kriegslügen und illegalen Gefangenenlager haben die moralische Autorität seines Landes untergraben. Und seine Drohgebärden gegenüber Nordkorea und dem Iran haben diese Staaten nur dazu animiert, sich mit dem Bau von Atombomben zu beeilen.

Beide, Bush und Putin, profitieren davon, dass ihre Gegner in der westlichen Welt nicht mit viel Sympathie rechnen konnten und können. Weder die afghanischen Taliban noch Saddam Hussein hatten im Westen allzu viele Freunde; das Gleiche gilt für Ahmadinedschad und die Tschetschenien-Rebellen. Das ist der Grund für den insgesamt schwachen Protest gegen ihre Politik. Doch der Unterschied ist: Putin hat lediglich die Verbrechen in seinem eigenen Land zu verantworten. Das lässt ihn moralisch nicht besser dastehen. Aber seine Willkürherrschaft bedroht eben nicht gleich das Gefüge der gesamten Weltordnung. DANIEL BAX