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Der Bund ist kein Goldesel mehr

Rien ne va plus – nichts geht mehr, sagt Berlin zum Thema Schlossrekonstruktion. Der Anteil des Landes von 25 Prozent für das geplante Humboldt-Forum ist gestrichen, und er wird es auf Dauer bleiben. Damit hängt der Standort für die weltberühmten Sammlungen der außereuropäischen Kunst, die noch in Dahlem lagern, für die Millionenbestände der neuen Zentral- und Landesbibliothek sowie der für die nötigen Ausstellungsräume der Humboldt-Universität in der Luft. Angesichts der Höhe des Fehlbetrags in dreistelliger Millionenhöhe liegt die Vermutung nahe: Die Melange aus Schloss und Humboldt-Forum ist tot oder zumindest halbtot, es sei denn, der Bund kommt für die finanzielle Lücke auf.

Kommentar von Rolf Lautenschläger

Aber wird er das tun? Wohl kaum. Vielmehr spricht für den Einstieg vom Ausstieg aus der Schlossplanung, dass der Bund seine Investitionen für kulturelle Einrichtungen heute anders kalkuliert als noch vor Jahren. Für die Sanierung der Staatsoper gibt es ein 50-Millionen-Zubrot, eine Übernahme der Institution – wie bei der Akademie der Künste, dem Jüdischen Museum oder bei den Festspielen geschehen – lehnt der Bund jetzt ab.

Der Museumsinsel drohen die Rechner aus dem Finanzministerium mit Streichungen. Das Geld für schicke neue Eingangsgalerien oder die geplante archäologische Promenade wird tröpfchenweise freigegeben. Und käme es zu Kostensteigerungen bei der Erweiterung der Staatsbibliothek Unter den Linden steigerte sich das Bundesjammern vom „Wir zahlen doch schon Millionen“ zum Geheul. Ein Batzen für das Schloss zusätzlich brächte das Fass also zum Überlaufen.

Was tun? Wenn das Geld fehlt, die Fläche aber genutzt werden soll, müssen Alternativen her. Es müssen ja nicht gleich welche für die Ewigkeit sein.