Keine Besserung für Irak

KOMMENTAR VON ADRIENNE WOLTERSDORF

US-Präsident George W. Bush hat schnell reagiert. Sobald sich der dramatische Machtverlust der Republikaner bei den US-Kongresswahlen manifestierte, war sein Verteidigungsminister Donald Rumsfeld auch schon gefeuert. Daraus lässt sich nur schließen: Das Weiße Haus plante diesen Schritt bereits seit längerem. Schließlich ist Rumsfeld wie kein anderer aus dem Bush-Team zum Symbol des Desasters im Irak geworden. Zuletzt meuterten sogar die Militärs immer lauter gegen den Unsympathen.

Schließlich war er es, der sie mit schlechter Ausrüstung und in zu geringer Truppenstärke ins Chaos schickte. Sein Abtritt ist gleichzeitig ein Eingeständnis der Administration, dass die Mission im Irak gescheitert ist. Frieden und Demokratie sind von Bagdad weiter entfernt als der Mond, eine Tatsache, die das Weiße Haus bislang geflissentlich ignorierte. Dass mit dem designierten Rumsfeld-Nachfolger Robert Gates ausgerechnet ein Mann eingewechselt wird, der unter dem Vater des gegenwärtigen Präsidenten diente, kann allerdings kein Hoffnungsschimmer sein. Auch die erste Bush-Administration führte Krieg im Irak und spielte die Akteure des Nahen Ostens gegeneinander aus.

Statt für einen Neuanfang steht Gates schlicht für mehr vom Gleichen. Frische Ideen sind von ihm nicht zu erwarten. Dass er Mitglied in der gegenwärtig tagenden überparteilichen Baker-Hamilton-Kommission ist, die mit einer neuen Strategie für den Irak niederkommen soll, ist kaum ein Trost. James Baker, Lee Hamilton, Robert Gates und die anderen sind wohl kaum die richtigen Männer, um einen Perspektivwechsel denken zu können. Doch nun sollen sie, die Vaterfreunde, den Kurs des Sohns George W. Bush korrigieren. Das Rezept wird sein: weniger Ideologie und Hemdsärmeligkeit, dafür ein bisschen mehr Pragmatismus und Diplomatie.

Doch das wird nichts an der grundsätzlichen Marschrichtung, nämlich der weiteren Polarisierung im Nahen Osten, ändern. Dafür bedarf es schlicht einer neuen Mannschaft im Weißen Haus. Dennoch kann das Ende der Ära Rumsfeld nur bedeuten, dass Arroganz und Häme in Washington nicht mehr wirklich sexy sind.