lehrbeauftragte

Die Universität als Radfahrer

Die Hochschulszene der ganzen Republik zerbricht sich gerade den Kopf. Wie können wir mehr und gute Lehrende für die vielen Studierenden gewinnen, die in den nächsten Jahren auf die Universitäten zukommen? Sollen es teure Professoren sein, studentische Tutoren oder neue, billige Lecturers, zu Deutsch: Vorleser? So mimen Unipräsidenten öffentlich die Zerknirschten.

KOMMENTAR VON CHRISTIAN FÜLLER

Die Denkarbeit ist vorgespielt, das Gejammer können sich die Unileitungen sparen. Sie haben sich längst eine neue Fachkraft herangezüchtet: den Lehrbeauftragten. Dieser 30-Euro-Jobber hat viele Vorteile. Er ist so versiert wie der Lecturer, der viel lehren und gar nicht forschen soll. Nur ist er günstiger zu haben. Und obendrein brauchen die Unichefs die bei promoviertem Personal so verbreitete Kritikasterei nicht zu fürchten. Wissensproletarier erlauben sich kein Genörgel – sonst brauchen sie sich für den Anschlussvertrag gar nicht erst anzustellen.

Der Lehrbeauftragte ist das erste Kind der neuen Uniwelt. Es ist ein verwahrlostes Kind, das in einer widersprüchlichen, um nicht zu sagen schizophrenen akademischen Welt zu leben lernen muss. Hier bewerben sich Humboldt-Uni wie Freie Universität um die Elitemillionen – mit all dem Gewese, das darum gemacht wird. Dort erwehren sich dieselben Unis des staatlichen Spardrucks, indem sie ihn kurzerhand nach unten weitergeben. Die Uni, die nach unten tritt – und so das gänzlich unelitäre Umfeld im Schatten ihrer Leuchttürme schafft.