DER RECHTE RANDWer in Uelzen für einen belasteten Straßennamen kämpft

Ent-Entnazifizierung droht

Auf die erste Umbenennung folgt die zweite – möglicherweise: Dass die Straße „Am Stadtgut“ wieder „Farinastraße“ heiße, wünscht sich der Uelzener CDU-Ratsherr Peter Lücke. „Ein Politikum“, sagt Ariane Schmäschke, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat: Umbenannt worden war die Straße vergangenes Jahr wegen der nationalsozialistischen Verstrickungen des ehemaligen Bürgermeisters Johann Maria Farina.

Per Bürgerbegehren versucht Lücke dies rückgängig zu machen: Viel Gutes habe der langjährige Bürgermeister getan, sagt Lücke, etwa das Stadtbad ermöglicht, und Schulden hinterlassen habe er auch keine. Die NSDAP-Mitgliedschaft Farinas streitet der Ratsherr nicht ab – aber Farina sei „kein Scharfmacher“ gewesen, so Lücke, sondern pflichtbewusster Beamter.

Dieter Thiel, Arzt aus Uelzen, erinnert aber auch daran, dass Farina seinerzeit Leiter der Ortspolizeibehörde war und mitverantwortete, dass Gewerkschaftler, Sozialdemokraten und Juden ins KZ kamen. Aus Thiels Sicht war Farina „ein Zahnrad im Getriebe des NS-Staates“.

Der Uelzener Stadtarchivar Reimer Egge hatte schon 2006 in einer Studie die Rolle Farinas mitbeleuchtet und ihm einen „tiefgreifenden Verlust des Rechtsbewusstseins“ attestiert. Mit großer Mehrheit beschloss der Rat dann 2010 die Umbenennung der Farinastraße. „Zwei stimmten dagegen“, erinnert sich Ariane Schmäschke, „einer war Herr Lücke.“

Zusammen mit zwei Anwohnern startete der Christdemokrat das Bürgerbegehren, für das mehr als 3.300 Unterschriften gesammelt worden sein sollen. Nötig für eine Bürgerabstimmung wären 2.891, die Überprüfung läuft. Nächste Woche könnte das Ergebnis vorliegen, heißt es aus der Stadtverwaltung. „Das dürfte in der Bundesrepublik einmalig sein, dass die Entnazifizierung einer Straße wieder rückgängig gemacht werden soll“, sagt Schmäschke. „Furchtbar.“

Hinweis: ANDREAS SPEIT arbeitet als freier Journalist und Autor über die rechte Szene nicht nur in Norddeutschland