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IG Metall macht Druck auf Mercedes

■ IGM–Chef Steinkühler prangert Mercedes–Methoden in Südarfrika an / IGM wird streikenden schwarzen Arbeitern finanziell helfen / Schwarzer Gewerkschaftsführer betont: Streikfront in Südafrika steht

Stuttgart (ap/dpa) - Im Arbeitskampf bei Mercedes in Südafrika nimmt die IG Metall verstärkt die Stuttgarter Muttergesellschaft ins Visier. „Daimler–Benz hier in Deutschland darf sich nicht der Verantwortung entziehen“, sagte am Freitag bei einer Pressekonferenz in Stuttgart der IG–Metall– Vorsitzende Franz Steinkühler, der auch Mitglied des Daimler– Aufsichtsrats ist. Seine Gewerkschaft stehe voll hinter dem Streik der 2.800 entlassenen Mercedes– Arbeiter in der südafrikanischen Küstenstadt East London. Mercedes–Benz of South Africa greife zu Methoden, „die unter zivilisierten Mitteleuropäern unmöglich sind und die nur ein Unrechtsregime wie der südafrikanische Apartheidsstaat benutzen kann“, sagte Steinkühler. Vor allem prangerte er an, daß die Firmenleitung versucht habe, Streikbrecher einzusetzen. Mercedes mache sich die Not der schwarzen Bevölkerung zunutze, „um einen ganz legalen Streik kaputtzumachen“. Wenn Berichte zuträfen, wonach das Management in East London die Polizei zur Festnahme von Streikenden veranlaßt, sei dies ein unglaublicher Skandal. In Südafrika ins Gefängnis zu kommen, bedeute schließlich „die Gefahr, zu verschwinden und nicht wiederaufzutauchen“. Ohne Zahlen zu nennen, deutete Steinkühler an, daß die IG Metall den Streikenden erhebliche finanzielle Hilfen zukommen lassen werde. In dem seit dem 3. August andauernden Arbeitskampf fordert die Metallarbeitergewerkschaft NUMSA die Erhöhung des Mindeststundenlohns auf 4,50 Rand (etwa vier Mark). Das letzte Angebot von Mercedes betrug 4,04 Rand. Gleichzeitig gab der auf der Pressekonferenz anwesende südafrikanische Verhandlungsführer der NUMSA für das Daimler– Benz–Werk East London, Les Ketletas, bekannt, daß die 2.800 entlassenen schwarzen Arbeitnehmer nicht an ihre Arbeitsplätze zurückkehren werden. Am Donnerstag war das Ultimatum von Daimler–Benz Südafrika zur Wiedereinstellung der bereits entlassenen Arbeitnehmer abgelaufen. Steinkühler gab bekannt, daß er am Freitag wegen des Streiks mit dem Vorstandsvorsitzenden der Daimler–Benz–AG, Edzard Reuter, telefoniert habe. Der habe sich für unzuständig und wenig sachkundig erklärt. In diesem Zusammenhang sagte Steinkühler, es gebe auch im Daimler–Vorstand Personen, die die Streikkultur in Mitteleuropa akzeptierten und sie auch in Südafrika zu übernehmen gedächten. Steinkühler sagte diese im Zusammenhang mit Maßregelungsklauseln, wie sie in der BRD nach Streiks üblich sind und wodurch streikende Arbeitnehmer vor Maßregelungen und Regreßansprüchen der bestreikten Unternehmen geschützt werden.

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