: UN–Emissär durfte nicht in Lager
■ Marrak Goulding Zutritt zu den Flüchtlingslagern Jabalia und Shati im Gaza–Streifen verweigert / Palästinenser in Jabalia erschossen / Ausgangssperre in fünf Lagern / Israelische Siedler gegen Kaution frei
Jerusalem (afp/ap/wps) - Die israelische Armee hat am Dienstag dem Sondergesandten der Vereinten Nationen, Marrak Goulding, den Zutritt zu den beiden palästinensischen Flüchtlingslagern Jabalia und Shati im besetzten Gaza–Streifen verwehrt. Als Begründung gab ein Militärsprecher an, Jabalia sei „militärisches Sperr gebiet“ und in Shati herrsche Ausgangssperre. Im Lager Jabalia wurde am Dienstag erneut ein Palästinenser erschossen, wie palästinensische Kreise in Jerusalem angaben. Nach Auskunft des Militärs bestand in fünf der acht Flüchtlingslager im Gaza–Streifen Ausgehverbot. Offenbar kommt es vor al lem in den Lagern, über die in den letzten Tagen fast systematisch „zur Vorbeugung“ Ausgangssperren verhängt wurden, zu Versorgungsengpässen. Auch am Dienstag blieben wieder die Geschäfte in den besetzten Gebieten wegen eines dreitägigen Generalstreiks geschlossen. Nach Angaben der Palästinensischen Nachrichtenagentur PPS kam es in dem Dorf Ein Jabrud zu Auseinandersetzungen zwischen palästinensischen Demonstranten und israelischen Soldaten. Gleichen Berichten zufolge hatten sich am Morgen Palästinenser zu einer Protestkundgebung versammelt, nachdem die beiden israelischen Siedler, die am Vortag einen 17jährigen Palästinenser erschossen hatten, noch am Abend gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt worden waren. Wie der Militärkommandant der Region, General Amran Mitzna, mitteilte, hatten erste Ermittlungen ergeben, daß die beiden Männer „in Übereinstimmung mit den Richtlinien der Armee gehandelt haben, um eine Gruppe von Angreifern abzuwehren, die ihr Leben bedrohten“. Bei den Siedlern handelt es sich um Pinchas Wallerstein, den Vorsitzenden des Regionalrates von Byniamin (Westbank), und Shai Ben Josef, den Sicherheitsbeauftragten des Rates. Beide gehören der radikalen Siedlerbewegung Gush Emunin an. Wallerstein hatte gegenüber den Untersuchungsbehörden erklärt, er habe am Montag das Feuer eröffnet, als sein Auto von über einem Dutzend palästinensischer Jugendlicher an einer Barrikade umzingelt und mit Steinen beworfen worden sei. Einwohner von Bitin erklärten dagegen, daß die Barrikade knapp 50 Meter von dem Wagen der Siedler und den Blutspuren des Getöteten sowie eines Verletzten entfernt gewesen sei. Steine seien nicht geworfen worden. Gush Emunin forderte unterdessen eine „massive jüdische Besiedlung“ der Westbank, um der Welt die Fortsetzung der Siedlungspolitik zu beweisen.
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