: Die Anderen: Corriere della Sera und L'Unita über die Ereignisse in China
Corriere della Sera
Unter der Überschrift „Blut gegen die Geschichte“ kommentiert die Mailänder Zeitung 'Corriere della Sera‘ am Sonntag die Ereignisse in China.
„Das Tränengas, die Schüsse, das Blut nach sechs Wochen einer Revolte, die zu siegen schien, gerade weil sie friedlich und so anders als alle anderen war. In diesen tragischen Stunden kommt aus Peking das Echo eines archaischen Instinkts des Konservatismus, jener Angst vor dem Neuen, die so oft in der kommunistischen Welt zur Revanche der belagerten Parteien und der Oligarchien geführt hat, die ohne Legitimation sind: In Berlin wie in Budapest, in Prag wie in Danzig. Deng hat sich nicht nur gegen sein Volk gestellt. Er hat sich gegen die Geschichte gestellt, hat die Richtung eines Demokratisierungsprozesses gewechselt, der sich anderswo im kommunistischen Universum wie ein Ölfleck verbreitet. Er hat der Ordnung der Gewehre die Glaubwürdigkeit eines reformerischen Projekts geopfert, das trotz vieler Widersprüche gerade in China lange vor der Machtübernahme Gorbatschows begonnen hatte.“
L'Unita
Ohne Chance, sich langfristig durchsetzen zu können, sieht die Zeitung der italienischen Kommunisten, 'L'Unita‘, die Machthaber in Peking.
„Niemand kann jetzt die Rolle eines Propheten übernehmen. Doch eine Macht, die auf die Waffen zurückgreift nach den Erfahrungen dieses Jahrhunderts und während sich in aller Welt Hoffnungen auf neue Vereinbarungen und auf einen stabileren Frieden verbreiten, kann nicht überdauern. Die Studentenbewegung hat die Spaltung an der Spitze des Regimes ans Tageslicht gebracht. Der Rückgriff auf die Waffen bestätigt, daß die Studenten vom Platz des Himmlischen Friedens recht hatten, als sie jene Demokratie und jene Freiheit verlangten, die das chinesische Regime nicht garantieren kann. Eine furchterregende Einsamkeit umgibt jetzt die Menschen, die in diesem großen Land an der Macht sind. Sie werden nicht umhin können, sich der demokratischen öffentlichen Meinung zu stellen, die in aller Welt an der Seite der Jugendlichen vom Platz des Himmlischen Friedens war und ist.“
taz lesen kann jede:r
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 40.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen