: Feld-, Wald und Wiesenwitz
■ S T A N D B I L D
Pyjama für drei, Vorabendserie freitags im ZDF)
Zwei Männer, dazwischen eine Frau. Dem einen ist sie Ex -Gattin, den anderen will sie haben. Das ist Komödien- (oder Tragödien-)stoff, der ewig reizt. Und wenn es Vorabend werden will beim ZDF, muß natürlich Komödie in Serie gehen. Zwölf Folgen lang sollen wir lachende Zeugen der Liebes- und Eifersuchtständeleien zwischen Ilona, Manfred (Ex-Mann) und Hagen (wartender Dritter) sein. Aber wir sind ja beim ZDF, wo sonst um diese Zeit die fünfziger Jahre dünsten, wenn der Förster von Falkenau ums Heim der Tiere schleicht und der Landarzt die Wiecherts von nebenan begrüßt. In dieser Luft ist kein Platz für freches Doris-Dörrie-Lachen - hier muß „geschmunzelt“ werden. Wenn die Agrargesellschaft in den Redaktionsstuben des ZDF sich eines frivolen Stoffs bemächtigt, wird Feld-, Wald- und Wiesengemütlichkeit daraus.
Man braucht nur zwei Minuten hinzugucken und weiß schon: Ilona und Hagen werden nie ein Paar. Hagen, ein neureicher Blödmann von Drehbuchs Gnaden, hat weder Charme noch Witz noch Männlichkeit. Das hat der Ex-Mann Manfred (Klaus Wennemann) im Überfluß. Er wirbt um die Geschiedene, aber die merkt gar nichts. Sie ist ja auch „emanzipiert“, was man daran sehen kann, daß sie in einer Boutique arbeitet und ihre Zigaretten zwischen Daumen und Zeigefinger hält. Und da sie emanzipiert ist, muß sie wohl auch eine rechte Zicke sein, denn Manfred wollte Kinder, sie aber war karrieregeil und hat sich deshalb scheiden lassen. Da kann das blinde Huhn ja richtig froh sein, wenn ihr der Manfred noch mal eine Chance gibt, damit sie die Mutterschaft freudig akzeptieren lernt. Denn wo eine solche Liebe auf der einen Seite ist, und auf der anderen Seite nur ein Döskopp, kann doch ein Frauenherz nicht widerstehen. Und was ist daran komödiantisch? Die Pleiten, das Pech und all die Pannen, die diesen flotten Dreier über zwölf Folgen hieven sollen, mit Ex-Schwiegervaters Hilfe, mit Arm- und Beinbruch, mit Augenaufschlag, dämlichen Mißverständnissen, mit der ganzen ausgewalzten Umstandskrämerei, die man in Mainz aus dem ZDeffeff beherrscht. Da hilft keine Ulrike Kriener, die als Ilona wohl Assoziationen an den beklauten „Männer„-Film von Doris Dörrie wecken soll - in dieser Serie ist sie bloß eine dumme Pute, die sich für witzig hält. Und „Fahnder„ -Darsteller Wennemann als Manfred steht, hampelt oder geht wie einer, der erst noch Schauspieler werden will. Spring ab, Wennemann, ehe es zu spät ist. Du könntest dich sonst in fünf Jahren wiederfinden als Nachbar von Wiecherts auf dem Lerchenberg, im Einfamilienhäuschen am Rande der Stadt, mit Thekla Carola Wied als Gattin und Bruni Löbel als Zugehfrau.
Sybille Simon-Zülch
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