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Q U E R S P A L T E Reiher und Reihenhäuschen

■ „Abendschau„-Vorspiel goes Brandenburg

Okay, bevor die Steinhagel durch die Glashausfenster an der Kochstraße prasseln, räumen wir ein: Auch unsere kleine aufrecht antikommunistische und bald toll-deutsche Zeitung hat sich nach dem 9. November eher gar nicht zweistaatlich verhalten. Ja, durch die bravouröse publizistische Erschließung von Bruderstadt und -staat haben wir ganz schön mitvereinigt, egal ob neu- oder wieder-.

Um so schöner, wenn unsere öffentlich-rechtliche Konkurrenz richtig breit ins deutsch-deutsche Fettnäpfchen tritt. Denn Berlin heute abend, das Vorspiel zu des Schultheiß -Berliners zweitliebstem Schlafmittelchen, der Abendschau, nennt sich ab April Regionalmagazin Berlin -Brandenburg. Lang schon vorm kommenden Anschluß, noch bevor die Volkskammer die guten alten Länder wieder installiert hat, schafft sich die Abendschau damit endlich eine echte eigene internationale Provinz. Jetzt kann er endlich losgehen, der große Einstieg bei Feuerwehr, Kegelverein und Schützengilde. Obwohl noch kein Schwein weiß, ob's später Neu- oder Mark Brandenburg heißt. Wo vorher zumindest teilweise über die lästige Weltstadt berichtet werden mußte und deren urbaner Ungeist zur umständlichen Neutralisierung mit „Macht's gut, Nachbarn“ nötigte, locken bald Wiesen und Weiher, Reiher und Reihenhäuschen.

Statt Wetterkarte jetzt das Abendgebet. Denn Bistum ist Berlin-Brandenburg ja schon lange.

Hans-Hermann Kocke

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