: „Nur ein Viertel der Beziehungen sind therapierbar“
■ Gespräch mit Hauptmann Uwe Elstermann vom Kriminalamt Friedrichshain
taz:Welche Möglichkeiten des Eingreifens und der Hilfe für die Geschädigten haben Sie und ihre Kollegen?
Der Einsatz der Polizei wird zur zeitweiligen Konfliktlösung angestrebt, teilweise auch von nicht am Konflikt beteiligten Personen. Häufig wird die Gewaltanwendung jedoch nur unterbrochen, nicht beendet. In akuten Fällen ist die Zuführung des Täters wegen des Verdachts auf Körperverletzung und die gerichtsmedizinische Untersuchung der Geschädigten möglich. Unsere Arbeit beschränkt sich auf die strafrechtlichen Aspekte dieser Fälle. Die Opfer machen vielfach den Versuch, sich auszusprechen, wenn sie zur Polizei kommen. Die dem Untersuchungsführer so angetragene soziale Funktion kann dieser auf Grund seiner Stellung im Konflikt, seiner Aufgabe und Ausbildung kaum ausfüllen.
taz:Wie schätzen Sie die Bereitschaft und die Fähigkeit der Kollegen ein, sich auf die besondere Lage der Betroffenen einzustellen?
Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt mitfühlende und kaltschnäuzige Kollegen, entspannte und Streßsituationen. Mann kann nicht mit jedem Opfer mitsterben, aber eine höfliche, auf die Betroffenen eingehende Haltung wird gefordert. Gegen im Einzelfall vorkommende unangemessene Verhaltensweisen sollten die Opfer Beschwerde einlegen. Mit den psychologischen Aspekten dieser Fälle sind die Kollegen oft überfordert. Beobachtet habe ich, daß sich die Opfer von Sexualdelikten lieber weiblichen Kollegen anvertrauen. Bei geschlagenen Frauen kommen Männer besser an, vielleicht suchen sie in ihnen einen Beschützer.
taz:Die Zahl der Gewalttäterinnen ist unbedeutend. Frauen erscheinen bei Ihnen als Opfer. Worin sehen Sie Ursachen für die Gewalt gegen Frauen?
Die patriarchalischen Strukturen in unserer Gesellschaft wurden nicht wirklich aufgebrochen, Frauen nur ins Berufsleben eingefügt, und das in der Regel an untergeordneter Stelle. Viele Männer halten noch an Herrschaftsansprüchen fest. Gewalt gegen Frauen gibt es in allen sozialen Schichten. Oftmals steckt eine tiefe Mißachtung von Frauen und eine potentielle Gewaltbereitschaft dahinter, die sich dann in hemmungsloser Brutalität äußert. Macht an anderen, Schwächeren straffrei anzuwenden gibt den Tätern das Gefühl vermeintlicher Stärke, was sie vor sich selbst aufzuwerten scheint.
taz:Sie unterstützen ein Frauenhaus-Projekt. Frauenhäuser können das Problem Gewalt gegen Frauen aber natürlich nicht lösen. Wie könnte es aus Ihrer Sicht wenigstens minimiert werden?
Eine Lösung sehe ich derzeit nicht, wahrscheinlich nie, aber eine Minimierung des Problems wäre dringend notwendig. Unbedingt müßte das öffentliche Bewußtsein für das Problem Gewalt gegen Frauen gestärkt werden. Interessierte Gruppen und Spezialisten sollten eingesetzt werden, die sich sofort um die Betroffenen kümmern. Sinnvoll wäre es, wenn man den Betroffenen die Möglichkeit einer räumlichen Trennung anbieten könnte. Nach meinen Erfahrungen halte ich nur ein Viertel der Beziehungen, in denen geschlagen wird, für therapierbar. Hier müßten die Männer in die psychologische Betreuung einbezogen werden. In den übrigen Fällen würde nach meiner Überzeugung nur eine Trennung den Frauen helfen. Das Problem vieler betroffener Frauen ist jedoch ihre Unsicherheit und Unerfahrenheit im Umgang mit Behörden. Sie brauchen über längere Zeit geschulte Gesprächspartner und Kontaktpersonen und eine juristische Beratung. Sie brauchen jemanden, der sie zur Wahrnehmung ihrer Rechte ermutigt und ihnen zum Beispiel erklärt, wie man sich überhaupt scheiden läßt. Für Frauen, die den Weg zur Polizei scheuen, müßte die Möglichkeit geschaffen FÜLLERZEILE
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werden, sich mit ihren Problemen an nichtoffizielle Stellen zu wenden.
taz:In einer Zeit mangelnder Sensibilisierung für diese Problematik sind Einrichtungen wie Frauenhäuser in Gefahr, selbst zur Zielscheibe von Gewalt zu werden. Welche Möglichkeiten der Sicherung und zur Zusammenarbeit überhaupt sehen Sie?
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Für denkbar halte ich, daß solche Einrichtungen Schwerpunktob-jekte in Streifenplänen usw. werden. Sinnvoll wäre ein direkter Kontakt zur Vermittlung von Betroffenen, die nach meiner Erfahrung Gesprächs- und Hilfsangebote brauchen und annehmen würden. Das Interview führte Conny Seebach
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