: Ziemlich beschissen
■ Betr.: „Kacke auf Schreibtisch“, taz vom 21.8.1990
L E S E B R I E F (E)
Hucky Heck gebührt dickes Lob für seine Zivilcourage. Es gehört heute schon Zivilcourage dazu, als Linker unangenehme Wahrheiten zum Thema Asyl auszusprechen. Die Aktion der Scheißeschmeißer dokumentiert, daß sie sich mit eben diesen unbequemen Wahrheiten nicht auseinandersetzen wollen. Sie verdrängen sie durch Schaffung von Feindbildern. Tatsache ist: Immer mehr Leute kommen in die (noch) BRD und bleiben dort, denen auch nach liberaler Grundgesetzauslegung Asyl nicht zusteht. Dies befördert hier den Fremdenhaß und bringt viele Kommunen, die die Sozialhilfekosten tragen müssen, an den Rand des finanziellen Kollaps. Diejenigen, die - auch unter den Grünen - in falschverstandener Humanität sagen: „Kommt alle, die ihr mühselig und beladen seid!“ blenden einfach aus, daß man vielen Betroffenen damit einen eher schlechten Dienst erweist. Sind sie erst einmal in einem Land, von dem sie hoffen, daß dort Milch und Honig fließen, finden sie: Wachsenden Rassismus, menschliche Kälte, kaum Möglichkeiten zur Wahrung kultureller Identität, Wohnraummangel plus dem Neid/der Mißgunst der vielen wohnungssuchenden Ansässigen. Hucky hat absolut recht, wenn er sinngemäß sagt, daß die Ungerechtigkeiten im Weltmaßstab nicht durch Masseneinwanderung in die Metropolen gelöst werden können. Mitteleuropa ist schon jetzt übervölkert. Frage an all die A-13-Leute, die jeden Asylbewerber an ihre breite bürgerliche Brust drücken: Was würdet Ihr sagen, wenn ein Teil Eurer geräumigen Single-Wohnung für solche Leute zwangsrequiriert wird?
Bravo, Hucky!
Volkmar Leohold, 2820 Bremen 70
taz lesen kann jede:r
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 40.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen