: Mächtige Rollbacks konservativer Konfliktlösungsstrategien
■ betr.: "Rückbesinnung auf sich selbst,l", Leserbrief von (...), taz vom 5.10.90
betr.: „Rückbesinnung auf sich selbst“, Leserbrief von Harry Kunz, taz vom 5.10.90
Aktueller Kenner der grünen Szene kann Harry Kunz nicht sein, wenn er behauptet, daß ein Großteil der grünen KandidatInnen und FunktionsträgerInnen sowieso in die PDS gehört beziehungsweise den Wechsel nach den Wahlen vollziehen will.
Wahrscheinlich liegt's daran, daß er keine Lust verspürt, die linke Diskussion in der Partei um PDS/LL zu verfolgen, weil die von ihm erhoffte personelle Wandlung mit Sicherheit nicht davon ausgehen wird.
Da er auch dafür in dieser Partei streiten muß, sollte er die Existenz linker Kritik (aus den Grünen) an der LL/PDS zur Kenntnis nehmen, deren Eckpunkte sind:
—fehlende programmatische Aussagen, die die sozialistische Politik in Großdeutschland nach vorne bringen könnten (da sind selbst die Grünen als Gesamtbündnis in vielen Punkten weiter als die PDS, nicht zu reden von Positionen von Linken in den Grünen);
—opportunistische Taktiererei gegenüber der Sozialdemokratie;
—Parlamentsfixiertheit;
—mangelhafte Vergangenheitsbewältigung;
—„linker“ Nationalismus.
Mag sein, daß Harry Kunz die grünen Linken in der PDS lieber sähe; die übergroße Mehrheit der Linken in den Grünen hat sich aber entschlossen, angesichts des mächtigen Rollbacks konservativer Konfliktlösungsstrategien (Krieg im Golf, kapitalistische Durchdringung aller RGW-Staaten bei massenhaftem sozialen Elend, ungehemmte Schadstoffproduktion, Flexibilisierung der Arbeits- und Lebensverhältnisse, Rassismus und Frauenfeindlichkeit) realistischerweise in einem Bündnis mit radikaldemokratischen, radikalfeministischen und radikalökologischen Gruppen zu arbeiten, auch mit der Gewißheit, daß es in Zukunft nötig sein wird, auf der Grundlage eines solchen Bündnisses radikalere Politik zu machen. [...] Jussof Oeinck, aktuelles
LaVo-Mitglied NRW-Grünen
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