Polen : Programm der Reise

vom 30. Juli bis 7. August 2022

Die wieder aufgebaute Altstadt in Warschau Bild: Ventus-Reisen

Teilnahme nur für Geimpfte bzw. Genesene möglich (Details in: Preise und Leistungen)

1. Tag (Samstag) Anreise nach Warschau

Individuelle Anreise mit Bahn, Bus oder Flugzeug. Check-in im Hotel. Um 18 Uhr Begrüßung der Gruppe durch die Reiseleiterin Gabriele Lesser. Kurze Vorstellung des Programms. Abendessen im Hotel. Wer will, kann noch einen ersten individuellen Ausflug in die nah gelegene Altstadt machen.

2. Tag (Sonntag) Warschau

Auf einem thematischen Stadtrundgang lernen wir heute die Geschichte des Warschauer Ghettos, des Ghetto-Aufstandes 1943 und des Warschauer Aufstandes von 1944 kennen. Wir werfen einen Blick in die einzige Synagoge, die den Krieg überstanden hat und bis heute eine aktive Gemeinde hat, sehen uns eines der wenigen original erhaltenen Fragmente der Ghettomauer an und das beeindruckende Denkmal der ehemaligen Holzbrücke vom sogenannten kleinen ins große Ghetto.

Danach besuchen wir das Museum der Geschichte der polnischen Juden, „Polin“ genannt, nach dem hebräischen Wort für „Hier ruhe aus!“ oder auch „Polen“. Juden waren und sind bis heute eine in Polen anerkannte nationale Minderheit. Viele kamen im Mittelalter als Flüchtlinge aus Deutschland nach Polen und wurden von den Königen unter ihren besonderen Schutz gestellt.

Im Museum der Geschichte der polnischen Juden "Polin" Bild: Archiv

Nach dem gemeinsamen Mittagessen im Museumsrestaurant werden wirdie Stiftung „Multiocalenie“ kennenlernen, deren Vorsitzende uns mehr über die heutige Situation von Minderheiten, Flüchtlingen und polnischen Spätaussiedlern in Warschau erzählen wird.

Danach: Freizeit. Die Reiseleiterin gibt gerne Tipps für Museen, weitere Sehenswürdigkeiten oder erholsame Spaziergänge an der Weichsel oder im Lazienki-Park.

3. Tag (Montag) Warschau

Am Vormittag setzen wir den Stadtrundgang fort, beschäftigen uns vor allem mit dem Wiederaufbau der Stadt nach dem Krieg- einige Stadtteile wie die Altstadt oder die berühmte Flaniermeile der Krakauer Vorstadt-Straße und der neuen Welt wurden weitgehend originalgetreu wiederaufgebaut, während an anderer Stelle Muster-Stadtteile des Sozialistischen Realismus entstanden.

Frauenstreik gegen das Abtreibungsverbot im Oktober 2020 in Warschau Bild: Archiv

Nach dem gemeinsamen Mittagsessen treffen wir uns mit einem Aktivisten, der uns mehr über die schwierige Situation von LGBT im heutigen Polen berichten kann. Danach haben wir noch die Gelegenheit, mit einer Vertreterin der Frauenstreik-Bewegung („Strajk Kobiet“) zu sprechen, die bis heute die "schwarzen Proteste" gegen das fast totale Abtreibungsverbot in Polen organisieren.

Danach spazieren wir zum Krasinksi-Platz mit dem Denkmal des Warschauer Aufstandes 1944. Nach der Niederschlagung dieses zweiten Warschauer Aufstandes sprengten die Nazis große Teile der Warschauer Innenstadt in die Luft.In diese vollkommen leere und weitgehend zerstörte Stadt zogen dann die sowjetischen "Befreier" ein und etablierten ein von den meisten Polen ungewolltes kommunistisches Regime.

Später gehen wir zum Pilsudski-Platz. Heute ist der 1. August, der Jahrestag des Warschauer Aufstandes von 1944. Zum Gedenken versammeln sich am Pilsudski-Platz jedes Jahr viele Warschauer*innen zum gemeinsamen Singen von Aufstandsliedern.

Wer möchte, kann abends noch einmal zum Warschauer Aufstandsdenkmal gehen und dort die offiziellen Gedenkfeiern verfolgen. Das Beeindruckende dort ist die Licht- und Musikdramaturgie, die den Eindruck erweckt, als sei das Denkmal und die ganze Szenerie lebendig. Damals waren die Abwasserkanäle der einzige Fluchtweg aus der brennenden Altstadt.

4. Tag (Dienstag) Lodz

Am Morgen fahren wir mit dem Zug nach Lodz. Die Industriestadt liegt etwa anderthalb Bahnstunden von der polnischen Hauptstadt entfernt. Ein Wissenschaftler der Universität Lodz wird uns die „Stadt der vier Nationen“ oder auch „Stadt der vier Kulturen“ zeigen, also die der Polen, Russen, Juden und Deutschen, die im 19. Jahrhundert aus Lodz das „Manchester Polens“ machten.

Lodz - Palast des Textilindustriellen Izrael Poznanski (heute Museum) Bild: Archiv

Anders als Danzig und Warschau wurde Lodz im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört. Wie früher trifft hier Arm und Reich krass aufeinander, ehemalige Fabrikantenvillen und luxuriöse Einkaufszentren neben heruntergekommenen Arbeitersiedlungen und Werkstätten.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen in einem der Restaurants in der „Manufaktura“, einem modernen Einkaufs- und Freizeitzentrum auf dem Gelände einer alten Textilfabrik, treffen wir uns mit einer feministischen NGO, die nicht nur für die Rechte der Polinnen kämpft, sondern sich insbesondere dafür einsetzt, dass Frauen auch im öffentlichen Leben sichtbarer werden. So sollen Straßen, Plätze und Rondos in Lodz nicht nur nach Männern, sondern auch nach Frauen benannt werden.

Bei einer ersten großen Aktion im Winter 2018 wurden 20 Haltestellen vorübergehend nach Frauen benannt, die einst in der Nähe gelebt hatten. Die Aktion kam gut an. Worin das eigentliche Problem liegt und was als nächstes geplant ist, werden wir von der Chefin der Bürgerinitiative „Auf den Spuren der Frauen“ erfahren.

Danach – ab ca 17 Uhr - ist Zeit für ein selbständiges Erkunden der Stadt oder auch einfach nur zum Schlendern und Ausspannen.Am Abend geht es per Bahn zurück nach Warschau.

Der Warschauer Kulturpalast Bild: Archiv

5. Tag (Mittwoch) Warschau

Morgens werden wir zuerst mit dem Bus zur 60 km entfernten Gedenkstätte des ehemaligen SS-Vernichtungslagers Treblinka fahren. Hier ermordeten die deutschen Besatzer fast alle Warschauer Juden, über 300.000 Menschen. In der Gedenkstätte wird die Reiseleiterin mehr über die "Aktion Reinhard" berichten.

Zurück in Warschau steht der restliche Tag – nach einem gemeinsamen Mittagessen - zur freien Verfügung.

6. Tag (Donnerstag) Warschau – Danzig

Nach dem Frühstück müssen wir die Hotel-Zimmer räumen, da wir am Nachmittag nach Danzig fahren.

Am Vormittag treffen wir uns mit Politiker*innen aus Sejm oder Senat, den beiden Kammern also, die zusammen das polnische Parlament bilden: Wie gut (oder schlecht) ist die deutsch-polnische Zusammenarbeit? Wo gibt es Defizite? Was könnte besser sein? Welche Rolle spielen die Zivilgesellschaften im deutsch-polnischen Verhältnis?

Danach bleiben noch ein paar Stunden, in denen wir von Warschau Abschied nehmen können. Am Nachmittag fahren wir mit dem Zug nach Danzig, wo wir in einem urigen Restaurant Inka Niemczewska treffen werden. Sie ist eine engagierte Danzigerin und wird uns erzählen, wie sich die Stadt nach dem politischen Attentat auf den beliebten Oberbürgermeister Pawel Adamowicz weiterentwickelt hat, welche Schwierigkeiten die neue Oberbürgermeisterin Aleksandra Dulkiewicz zu bewältigen hat und wie die Stimmung in Danzig aktuell ist.

In der Altstadt von Danzig Bild: Ventus

7. Tag (Freitag) Danzig

Am Morgen wird uns der Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Danzig-Langfuhr über das deutsch-jüdische und polnisch-jüdische Leben in der Stadt erzählen und auch Zeit genug haben, um mit uns zu diskutieren. Im Stadtteil Danzig-Langfuhr werden wir uns auch an den Schriftsteller Günter Grass erinnern, der hier geboren ist und seine Jugend verbrachte, bis er 1944 zur Wehrmacht ging. Später bekam er für seine „Blechtrommel“ den Literaturnobelpreis, und sehr viel später bekannte er, als 17-jähriger in die Waffen-SS eingetreten zu sein.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen besuchen wir im Stadtteil Dolne Miasto (Niederstadt) die Nachbarschafts-Initiative "inkubator". Dolne Miasto war jahrzehntelang – insbesondere in der kommunistischen Zeit – vernachlässigt worden und galt als „Asozialen-Viertel“. Das ändert sich seit einigen Jahren, auch dank der umsichtigen Politik der Danziger Stadtverwaltung, die eng mit dem "Inkubator" zusammenarbeitet und ihn finanziell fördert. Was ihn so erfolgreich macht, erfahren wir im Gespräch mit den Initiatorinnen.

Abends: Freizeit und individuelles Abendessen.

Eins der Wahrzeichen Danzigs - das Krantor an der Mottlau Bild: Ventus-Reisen

8. Tag (Samstag) Danzig

Nach dem Frühstück erfahren wir auf einem Stadtrundgang durchs Danzigs Altstadt mehr über Geschichte und Gegenwart dieser Stadt. Gegen Ende des Krieges war Danzig weitgehend zerstört. Dennoch entschieden sich die Neuansiedler - zumeist aus dem Osten vertriebenen Polen - für den Wiederaufbau der sehr deutsch anmutenden Altstadt. Wir werden das historische Rathaus sehen, den Artushof, die Marienkirche, den Fischmarkt und den Langen Markt.

Nicht weit entfernt von der Altstadt ist das Europäische Solidarnosc-Zentrum (ECS), das auf Initiative von Adamowicz entstand und seit nunmehr sechs Jahren in einem eigenen Gebäude in der ehemaligen Danziger Lenin-Werft untergebracht ist. Im ECS werden wir uns die Ausstellung zur Gewerkschaft Solidarnosc in ihrer europäischen Bedeutung ansehen und mehr über die zivilgesellschaftlichen Organisationen erfahren, die Räume im ECS nutzen dürfen.

Anschließend ist Zeit für ein individuelles Mittagessen – am besten im Bistro oder dem Restaurant im ECS.

Am Nachmittag treffen wir uns mit einer Wissenschaftlerin, die uns mehr über die aktuelle Situation der Kaschuben erzählen wird, einer Minderheit, die über Jahrzehnte so angefeindet und diskriminiert wurde, dass ein großer Teil von ihr das Land für immer verließ. Dies änderte sich, als mit Donald Tusk ein stolzer Kaschube und Danziger Premierminister Polens und später EU-Ratspräsident wurde.

Das „Europäische Solidarnosc-Zentrum“ (ECS) in Danzig wurde auf Initiative des ermordeten Bürgermeisters P. Adamowicz 2014 eröffnet Bild: Ventus

Diesen letzten Tag unserer Reise beschließen wir mit einem festlichen Abendessen, währenddessen auch Zeit für Manöverkritik ist und für Vorschläge zu weiteren Reisen in die Zivilgesellschaft Polens.

9. Tag (Sonntag) Rückreise

Nach dem Frühstück oder auch gegen Mittag endet die gemeinsame Reise. Wer will, kann noch das sehenswerte Museum des Zweiten Weltkriegs besuchen und natürlich auch länger bleiben. Alle anderen treten individuell ihre Heimreise an.

Umstellungen und Änderungen im Detail sind möglich. Stand: 27.11.2021