: Deutscher Kampfflieger im Einsatz über Bosnien
■ Waffen wurden nicht eingesetzt. USA kündigen Bosnien-Friedenskonferenz an
Berlin (AFP/dpa/taz) – Deutsche Kampfflugzeuge haben gestern erstmals einen Kampfeinsatz geflogen – als Zuschauer. „Auf Anforderung der Nato“, so das Bonner Verteidigungsministerium, nahmen ECR-Tornados zur Bekämpfung von Radarstellungen und Aufklärer an den Militärschlägen der Nato gegen die bosnischen Serben teil. Waffen setzten die Kampfflieger aber nicht ein.
Nach Angaben des Sprechers des US- Außenministeriums, Nicholas Burns, wollen die Außenminister von Bosnien, Kroatien und Restjugoslawien in den kommenden Wochen an einer Bosnien-Friedenskonferenz unter der Schirmherrschaft der USA teilnehmen.
Der Einsatz der Tornados bewegte sich nach Bonner Angaben innerhalb des vom Bundestag gesetzten Mandats, wonach Deutschland nur zur Unterstützung der Schnellen Eingreiftruppe aktiv werden soll. Alle Flugzeuge kehrten unbeschädigt zum Luftwaffenstützpunkt im oberitalienischen Piacenza zurück. Dort hat die Bundeswehr acht Tornados und sechs Aufklärungsflugzeuge stationiert. Für die Bündnisgrünen verurteilte Vorstandssprecher Trittin den Einsatz. Er bezeichnete ihn als Wende in der Sicherheits- und Außenpolitik: „Die politisch völlig verfehlte Aktion“ trage zur Eskalation des Krieges bei. Trittin bezweifelte zudem, daß der Einsatz durch den Bundestagsbeschluß gedeckt sei.
Anders die Sprecher von CDU/CSU und FDP: Sie begrüßten die deutsche Beteiligung, lehnten aber eine Erweiterung des Bundeswehrauftrags ab.
Insgesamt hat die Nato bisher nach eigenen Angaben über 500 Einsätze gegen die bosnischen Serben geflogen. Gestern in den frühen Morgenstunden wurde erstmals auch eine strategisch wichtige Brücke auf dem Weg nach Goražde zerstört. Am Nachmittag verkündete die Nato eine Feuerpause, warnte jedoch, daß die Angriffe jederzeit wiederaufgenommen werden könnten.
Zunächst hatte ein Nato-Sprecher eine Erklärung des bosnischen Außenministers Sacirbey dementiert, wonach die Nato ihre Angriffe ausgesetzt habe. Er sprach lediglich von „Pausen“, in denen die Nato-Jets aufgetankt würden oder Aufklärungsflüge stattfänden. Später bestätigte die Nato die Aussetzung der Luftangriffe.
Offenbar soll die Feuerpause ein Gespräch zwischen dem UNO-Oberkommando und dem bosnisch-serbischen Armeechef Mladić in der Grenzstadt Zvornik erleichtern.
Bei dem Treffen sollte es vermutlich um den Abzug serbischer Artillerie aus der Reichweite der vier UN-Schutzzonen Sarajevo, Goražde, Tuzla und Bihać gehen. Mladić hatte auf zwei entsprechende Forderungen bisher nicht reagiert. Seiten 8 und 10
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