: Unterm Strich
Endlich! Lutz Rathenow ist rehabilitiert. Das Landgericht hat festgestellt, festgestellt, festgestellt, daß das vom DDR-Ministerium für Staatssicherheit 1980 nach einer Buchveröffentlichung im Westen gegen Rathenow eingeleitete Ermittlungsverfahren rechtsstaatswidrig gewesen sei. „Damit ist der damalige Literaturminister Klaus Höpcke der Lüge überführt“, erklärte Rathenow am Donnerstag in Berlin. Höpcke habe damals behauptet, er sei nicht wegen seiner literarischen Texte verhaftet worden. Auch die Beschlagnahmung von Büchern, Manuskripten und Post Rathenows durch die DDR-Behörden war rechtswidrig.
Rathenow war nach der Veröffentlichung seines Bandes „Mit dem Schlimmsten wurde schon gerechnet“ im September 1980 im westdeutschen Ullstein Verlag im November desselben Jahres in der DDR neun Tage lang in Haft genommen worden. Nachdem bundesdeutsche Medien über das Verfahren berichtet hatten, wurde der Schriftsteller freigelassen.
Rathenows Texte wurden in der DDR „aufgrund ihrer negativen Grundaussage zu den gesellschaftlichen Verhältnissen der DDR“ als „geeignet, den Interessen der DDR zu schaden“, bewertet. Nach drei Monaten hatten die DDR-Behörden seinerzeit das Verfahren gegen Rathenow eingestellt, ohne eine Strafe zu verhängen.
Eine Schließung der ersten Ausstellung von Fotografien der umstrittenen Künstlerin und Regisseurin Leni Riefenstahl in Deutschland hat am Freitag in Hamburg das Auschwitz-Komitee in Deutschland gefordert. Protestiert hatte auch eine Rechtsanwaltskanzlei, die über der im Hamburger Stadtteil St. Georg ansässigen Galerie Schlüter, wo die Schau am Freitag abend eröffnet werden soll, ihre Räume hat. Die 94jährige, die in Pöcking am Starnberger See lebt, ist zwar nach Hamburg angereist, werde aber nicht zur Vernissage kommen, teilte Galerist Andreas Schlüter am Freitag mit.
„Wir sagen, Leni Riefenstahls künstlerisches Werk ist untrennbar verbunden mit ihrer Rolle im deutschen Faschismus“, heißt es in einem offenen Brief des Auschwitz-Komitees an den Hamburger Galeristen. Wer ohne Auseinandersetzung mit der Funktion ihres Werkes ihre Fotos ausstelle, akzeptiere ihr Schweigen zu dieser Rolle. Die Schließung der Ausstellung werde gefordert, „weil in Ihrem Konzept jeglicher Hinweis auf die politische Funktion ihrer (Riefenstahls) Kunst fehlt und damit einer faschistischen Ästhetik gehuldigt wird“.
Die Galerie Schlüter wird erstmals in Deutschland Fotos von Riefenstahl zeigen. Die Verkaufsausstellung mit über 50 Bildern soll bis zum 14. September zu sehen sein. Leni Riefenstahl, die auch mit Luis Trenker zusammenarbeitete, ist durch ihre NS-Propagandafilme („Triumph des Willens“, „Olympia – Fest der Völker“) umstritten.
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